Erdgasförderung in Deutschland - von Bohrung bis Fracking

Karte zeigt potenzielle Gebiete für den Abbau von Erdgas (Schiefergas) und Schieferöl in Deutschland.

Geschrieben von

Emmy Kern

Veröffentlicht am

21. Aug. 2026

Inhaltsverzeichnis

Wenn Erdgas aus dem Untergrund in Heizung, Kraftwerk oder Industrie gelangen soll, beginnt alles mit einer geologischen Frage: Wo liegt die Lagerstätte, und lässt sich das Gas technisch sowie wirtschaftlich gewinnen? Der Abbau von Erdgas umfasst deshalb weit mehr als das Bohren eines Lochs. Ich zeige, wie die Förderung von der Erkundung bis zur Aufbereitung funktioniert, welche Unterschiede zwischen konventionellen Lagerstätten und Fracking bestehen und welche Bedeutung die heimische Produktion für Deutschland im Jahr 2026 noch hat.

Die wichtigsten Fakten zur Erdgasförderung auf einen Blick

  • Bohrungen erschließen gasführende Gesteinsschichten in mehreren hundert bis mehreren tausend Metern Tiefe.
  • Konventionelles Erdgas strömt durch den natürlichen Lagerstättendruck zur Förderbohrung, während unkonventionelle Vorkommen zusätzliche Verfahren benötigen.
  • Deutschland förderte 2025 rund 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas, überwiegend in Niedersachsen.
  • Die heimische Produktion deckte nur etwa 4,8 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs.
  • Fracking zu kommerziellen Zwecken ist in Deutschland bei Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgas grundsätzlich verboten.

Arbeiter auf einer Bohrplattform, die den Abbau von Erdgas überwachen. Rauch steigt auf.

So gelangt Erdgas aus der Lagerstätte ans Netz

Erdgas befindet sich nicht in großen unterirdischen Hohlräumen wie Wasser in einem Tank. Es sitzt in den Poren bestimmter Gesteine und wird durch undurchlässige Deckschichten eingeschlossen. Förderbare Lagerstätten liegen in Deutschland meist in einigen tausend Metern Tiefe.

Von der Erkundung zur Bohrung

Am Anfang stehen geologische Karten, historische Bohrdaten und seismische Messungen. Bei der 3-D-Seismik werden Schallwellen in den Untergrund gesendet. Aus den reflektierten Signalen entsteht ein räumliches Bild der Gesteinsschichten. Das liefert jedoch keine Garantie für einen wirtschaftlichen Fund, sondern nur eine Wahrscheinlichkeitsabschätzung.

Erst eine Probebohrung zeigt, ob tatsächlich genügend Gas vorhanden ist. Dabei wird das Bohrloch mit Stahlrohren und Zement gegen die umliegenden Gesteinsschichten abgedichtet. Diese Barrieren sollen verhindern, dass Fördermedien oder Lagerstättenwasser in Grundwasserleiter gelangen.

Förderung und Aufbereitung

Bei einer konventionellen Lagerstätte steht das Gas unter natürlichem Druck. Nach dem Öffnen der fördernden Schicht strömt es zunächst selbstständig zur Bohrung. Sinkt der Druck, können technische Maßnahmen wie Kompressoren oder eine angepasste Druckführung den Betrieb noch eine Zeit lang unterstützen.

Das geförderte Rohgas ist noch nicht für das öffentliche Netz geeignet. Es kann Wasser, Sand, Kohlenwasserstoffe und Schwefelwasserstoff enthalten. In der Aufbereitungsanlage wird es getrocknet, gereinigt und auf die erforderliche Gasqualität gebracht. Schwefelwasserstoff ist giftig und verursacht den typischen Geruch von „faulen Eiern“, weshalb sogenanntes Sauergas besonders sorgfältig behandelt werden muss.

Am Ende wird das Reingas gemessen und in das Fernleitungsnetz eingespeist. Ein Teil der Energie wird bereits während der Förderung für Pumpen, Kompressoren und die Aufbereitung benötigt. Genau deshalb sollte man bei Klimabilanzen nicht nur die spätere Verbrennung im Heizkessel betrachten.

Konventionelle Förderung und Fracking sind nicht dasselbe

In öffentlichen Debatten werden Erdgasbohrungen und Fracking häufig gleichgesetzt. Das führt zu falschen Schlussfolgerungen. Entscheidend ist, wie durchlässig das Speichergestein ist und ob das Gas ohne künstlich erzeugte Risse zur Bohrung gelangen kann.

Merkmal Konventionelle Lagerstätte Unkonventionelle Lagerstätte
Gestein Relativ durchlässiges Speichergestein Sehr dichtes Gestein wie Schiefer, Ton oder Kohleflöz
Gasfluss Gas strömt durch vorhandene Poren und Risse zur Bohrung Zusätzliche künstliche Fließwege sind erforderlich
Technik Bohrung, Abdichtung, Messung und Aufbereitung Meist horizontale Bohrungen und hydraulische Stimulation
Hauptproblem Methanverluste, Bohrplatz, Energiebedarf und Lagerstättenwasser Hoher Wasserbedarf, Flowback, Chemikalien und mögliche Grundwasserrisiken

Was beim Fracking passiert

Beim hydraulischen Fracking wird eine Flüssigkeit mit hohem Druck in das Gestein gepresst. Wasser, Stützmittel wie Sand und weitere Zusätze erzeugen oder erweitern Risse, durch die das Gas zur Bohrung fließen kann. Nach dem Druckabbau strömt ein Teil der Flüssigkeit als sogenannter Flowback zurück an die Oberfläche und muss behandelt oder entsorgt werden.

Das Umweltbundesamt nennt für eine Fracking-Bohrung einen Wasserbedarf von mehreren tausend Kubikmetern. Zusätzlich bleiben Fragen zur langfristigen Dichtheit, zum Umgang mit Chemikalien, zu Methanemissionen und zu induzierter Seismizität relevant. Ich halte deshalb die Aussage für zu pauschal, moderne Technik mache Fracking automatisch umweltfreundlich.

Nach der geltenden deutschen Regelung ist kommerzielles unkonventionelles Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein grundsätzlich nicht zulässig. Möglich sind nur eng begrenzte wissenschaftliche Erprobungen unter strengen Bedingungen. Das ist etwas anderes als die konventionelle Erdgasförderung, die in Deutschland weiterhin stattfindet.

Wo Deutschland Erdgas fördert und wie groß der Beitrag ist

Die deutsche Produktion konzentriert sich fast vollständig auf Niedersachsen. Dort liegen die wichtigsten Fördergebiete in der Region Weser-Ems und im Gebiet Elbe-Weser. Kleinere Mengen kommen aus weiteren Regionen, während die Offshore-Förderung in der deutschen Nordsee nur eine untergeordnete Rolle spielt.

2025 wurden in Deutschland rund 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Die Bundesnetzagentur weist für die heimische Produktion etwa 34 Terawattstunden aus. Beide Angaben beschreiben dieselbe Größenordnung, verwenden aber unterschiedliche Einheiten und Brennwertannahmen.

Kennzahl Wert für 2025 Was daraus folgt
Inländische Förderung 4,25 Milliarden m³ Leichter Anstieg gegenüber 2024
Anteil am deutschen Bedarf Rund 4,8 Prozent Deutschland bleibt stark auf Importe angewiesen
Schwerpunkt Niedersachsen mit rund 98,6 Prozent Die Förderung ist regional sehr konzentriert
Reserven Ende 2025 Rund 29,3 Milliarden m³ Rechnerisch etwa sieben Jahre Förderung auf heutigem Niveau

Die Zahlen zeigen zwei Dinge gleichzeitig. Heimisches Gas kann Transportwege verkürzen, regionale Wertschöpfung schaffen und einen kleinen Beitrag zur Versorgung leisten. Es ersetzt aber keine Importstrategie und löst auch nicht das grundsätzliche Problem, dass der Verbrauch in Deutschland deutlich über der heimischen Fördermenge liegt.

Die Förderung ist zudem langfristig rückläufig. Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre wurden in Deutschland bis zu rund 21 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gewonnen. 2025 lag die Produktion nur noch bei ungefähr 20 Prozent des damaligen Höchststands. Der Grund liegt vor allem in erschöpften Lagerstätten und wenigen neuen wirtschaftlich nutzbaren Funden.

Umweltfolgen liegen nicht nur im Bohrloch

Eine Erdgasförderanlage ist nicht automatisch ein großer Schornstein. Viele Emissionen entstehen an Ventilen, Leitungen, Kompressoren und bei Wartungsarbeiten. Besonders wichtig ist Methan, weil es als unverbrannter Bestandteil des Erdgases direkt in die Atmosphäre gelangen kann und über kurze Zeiträume sehr klimaschädlich wirkt.

Wasser und Boden

Das größte Schutzgut bei Bohrungen ist für mich das Grundwasser. Grundwasserführende Schichten werden häufig durchbohrt, deshalb müssen Stahlrohre, Zementierung und Druckkontrollen zuverlässig funktionieren. Bei konventionellen Anlagen ist das Risiko nicht gleich null, aber es unterscheidet sich deutlich von der Situation beim Aufbrechen dichter Gesteinsschichten durch Fracking.

Auch der Flächenverbrauch wird oft unterschätzt. Ein Bohrplatz braucht Zufahrten, Leitungen, Tanks und technische Anlagen. Nach dem Ende der Förderung muss der Betreiber das Bohrloch sichern, zurückbauen und den Standort wiederherstellen. Für Anwohner zählen dabei nicht nur die spätere Landschaft, sondern auch Lärm, Verkehr und mögliche Nutzungseinschränkungen während der Bohrphase.

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Klima und Energieaufwand

Erdgas verbrennt meist mit weniger Kohlendioxid pro Kilowattstunde als Kohle. Das macht es jedoch nicht klimaneutral. Zur Verbrennung kommen Emissionen aus Förderung, Aufbereitung, Transport und Speicherung. Sobald Methanverluste steigen, kann ein Teil des Vorteils gegenüber anderen fossilen Brennstoffen verloren gehen.

In deutschen Anlagen werden Leckagen zunehmend durch regelmäßige Kontrollen, bessere Dichtungen und Messprogramme begrenzt. Das ist sinnvoll, aber kein Freibrief. Wer Erdgas als Übergangstechnologie bezeichnet, sollte immer dazusagen, wie lange diese Übergangsphase dauern soll und ob dadurch Investitionen in Wärmepumpen, Netze oder erneuerbare Wärme verzögert werden.

Fossiles Erdgas, Atomenergie und der deutsche Energiepfad

Der Vergleich mit Atomenergie hilft, die Debatte einzuordnen, obwohl beide Energieträger technisch sehr unterschiedlich sind. Erdgas wird als Brennstoff gefördert und verbrannt. Kernenergie gewinnt Energie durch die Spaltung von Uran und verursacht im laufenden Reaktorbetrieb nur geringe direkte Kohlendioxidemissionen, bringt aber andere Risiken und die langfristige Entsorgung radioaktiver Abfälle mit sich.

Kriterium Erdgas Atomenergie
Rohstoff Fossiles Erdgas aus unterirdischen Lagerstätten Uran, das bergmännisch gewonnen und verarbeitet wird
Flexibilität Kraftwerke können vergleichsweise schnell geregelt werden Große Anlagen eignen sich eher für kontinuierliche Produktion
Klimaproblem CO₂ bei der Verbrennung und mögliche Methanverluste Geringe direkte Emissionen, aber Emissionen aus Vorkette und Bau
Hauptrisiko Klimaeffekte, Leckagen, Wasser- und Flächennutzung Unfälle, radioaktiver Abfall und hohe Anforderungen an Sicherheit
Perspektive Fossiler Energieträger mit begrenzter Übergangsfunktion Politisch und gesellschaftlich in Deutschland beendet

Meine Einschätzung ist klar: Der Streit „Gas oder Atomkraft“ greift zu kurz. Beide Technologien lösen nicht die Aufgabe, ein dauerhaft klimaneutrales und robustes Energiesystem aufzubauen. Erdgas kann kurzfristig Flexibilität liefern, während Wind, Sonne, Speicher, Netze, Effizienz und erneuerbare Wärme schrittweise ausgebaut werden. Der entscheidende Maßstab ist daher nicht nur, ob ein Brennstoff heute verfügbar ist, sondern ob die Infrastruktur auch in 15 oder 20 Jahren noch sinnvoll eingesetzt werden kann.

Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das vor allem, Investitionen sorgfältig zu prüfen. Ein neuer Gasheizkessel mag in der Anschaffung einfach wirken, bindet den Nutzer aber über viele Jahre an einen fossilen Energieträger. Bei Gebäuden mit hohem Wärmebedarf können Sanierung, Wärmepumpe, Fernwärme oder hybride Lösungen langfristig sinnvoller sein, auch wenn die Ausgangslage je nach Gebäude stark variiert.

Was beim Blick auf heimisches Gas oft übersehen wird

Die deutsche Erdgasförderung ist technisch anspruchsvoll und wird durch gesetzliche Vorgaben, Kontrolle und Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Trotzdem bleibt sie eine kleine Ergänzung der Versorgung, keine Antwort auf die gesamte Energiefrage.

Wer Förderprojekte beurteilen will, sollte deshalb mindestens vier Punkte getrennt betrachten. Dazu gehören die tatsächliche Fördermenge, die Methan- und CO₂-Bilanz der Vorkette, die Risiken für Wasser und Landschaft sowie die Frage, wie lange das Projekt wirtschaftlich betrieben werden soll.

Für mich ist der wichtigste Schluss daraus, dass heimisches Erdgas nicht mit erneuerbarer Energie verwechselt werden darf. Es kann Versorgungslücken begrenzen, bleibt aber fossil und endlich. Eine belastbare Klimapolitik nutzt solche Restmengen nur dort, wo sie kurzfristig gebraucht werden, und richtet neue Investitionen konsequent auf ein Energiesystem aus, das ohne fossile Förderung auskommt.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Zunächst werden geologische Daten und 3-D-seismische Messungen ausgewertet, bevor eine Probebohrung die Lagerstätte prüft. In durchlässigem Gestein strömt das Gas durch den natürlichen Lagerstättendruck zur Bohrung. Danach wird das Rohgas getrocknet, gereinigt, gemessen und in das Fernleitungsnetz eingespeist.

Bei konventionellen Lagerstätten gelangt das Gas durch vorhandene Poren und Risse zur Bohrung. Dichtes Gestein wie Schiefer, Ton oder Kohleflöz benötigt dagegen meist horizontale Bohrungen und künstlich erzeugte Fließwege durch hydraulische Stimulation. Beim Fracking werden Wasser, Sand und weitere Zusätze unter hohem Druck in das Gestein gepresst.

Deutschland förderte 2025 rund 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das entsprach etwa 4,8 Prozent des deutschen Bedarfs, wobei rund 98,6 Prozent der Förderung aus Niedersachsen kamen. Die heimische Produktion ist damit nur ein kleiner Beitrag und ersetzt keine Importe.

Kommerzielles unkonventionelles Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein ist in Deutschland grundsätzlich nicht zulässig. Unter strengen Bedingungen sind nur eng begrenzte wissenschaftliche Erprobungen möglich. Diese Regelung betrifft nicht die weiterhin stattfindende konventionelle Erdgasförderung.

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Emmy Kern

Emmy Kern

Mein Name ist Emmy Kern und ich bringe 14 Jahre Erfahrung im Bereich Umweltpolitik, Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaft mit. Schon früh hat mich die Dringlichkeit, mit der wir unsere Umwelt schützen müssen, fasziniert und motiviert, mich intensiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ich schreibe über die Herausforderungen und Chancen, die sich im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischer Verantwortung ergeben. In meinen Artikeln lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und verständlich zu präsentieren, damit Leserinnen und Leser komplexe Zusammenhänge nachvollziehen können. Dabei überprüfe ich stets meine Quellen, vergleiche verschiedene Perspektiven und halte mich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte zu schaffen, die dazu beitragen, das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken zu schärfen und zu einem umweltbewussteren Handeln zu inspirieren.

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