Atomstrom erklärt - Funktion, Klimabilanz und Risiken

Kühl­türme eines Kern­kraft­werks im Sonnen­unter­gang. Dampf steigt auf und fragt: was ist Atom­strom?

Geschrieben von

Emmy Kern

Veröffentlicht am

7. Okt. 2026

Inhaltsverzeichnis

Ob Strom aus Kernkraft klimafreundlicher als Kohlestrom ist, wie ein Reaktor überhaupt Elektrizität erzeugt und welche Risiken bleiben, lässt sich sachlich beantworten. Ich erkläre, was Atomstrom bedeutet, wie die kontrollierte Kernspaltung funktioniert, wie er sich von fossiler Energie unterscheidet und welche Rolle Kernenergie in Deutschland 2026 noch spielt.

Die wichtigsten Fakten zu Strom aus Kernkraft auf einen Blick

  • Atomstrom entsteht durch die kontrollierte Spaltung von Atomkernen, meist Uran.
  • Die Kernspaltung erzeugt zunächst Wärme, aus der über Dampf, Turbine und Generator elektrischer Strom wird.
  • Im Betrieb entstehen keine direkten CO₂-Emissionen, die gesamte Klimabilanz umfasst jedoch auch Uranabbau, Bau und Rückbau.
  • Kernenergie ist weder fossil noch erneuerbar, weil Uran ein begrenzter Rohstoff ist.
  • Deutschland erzeugt seit dem 15. April 2023 keinen Strom mehr in eigenen Kernkraftwerken.

Schema eines Kernreaktors, der erklärt, was Atomstrom ist: Brennstäbe erzeugen Wärme, die über Kühlmittel Dampf für eine Turbine und einen Generator erzeugt.

Was Atomstrom konkret bedeutet

Die Frage, was Atomstrom ist, lässt sich zunächst einfach beantworten. Gemeint ist elektrische Energie, die in einem Kernkraftwerk durch die Spaltung von Atomkernen entsteht. In den heute üblichen Reaktoren wird dafür vor allem Uran verwendet.

Der Begriff „Atomstrom“ ist umgangssprachlich. Fachlich spricht man eher von Kernenergie oder Kernkraft. Entscheidend ist nicht die chemische Reaktion wie bei Kohle oder Gas, sondern eine Reaktion im Atomkern. Dabei wird sehr viel Wärme freigesetzt, die anschließend eine Dampfturbine antreibt.

Kernenergie gehört nicht zu den fossilen Energieträgern. Kohle, Erdöl und Erdgas sind über Millionen Jahre aus organischem Material entstanden und setzen bei ihrer Verbrennung Kohlenstoffdioxid frei. Uran ist ein mineralischer Brennstoff, aber ebenfalls endlich und nicht erneuerbar.

So wird aus Kernspaltung elektrischer Strom

Im Reaktor trifft ein Neutron auf den Kern eines Uranatoms. Der Kern zerfällt in kleinere Bestandteile, setzt dabei Energie und weitere Neutronen frei. Diese können neue Spaltungen auslösen. Eine solche Kettenreaktion wird im Kraftwerk so geregelt, dass sie kontrolliert und gleichmäßig abläuft.

Die einzelnen Schritte ähneln anschließend einem klassischen Wärmekraftwerk. Ich stelle sie mir gern wie eine sehr leistungsfähige, aber ungewöhnliche Heizungsanlage vor:

  1. Die Kernspaltung erzeugt Wärme im Reaktorkern.
  2. Ein Kühlmittel nimmt diese Wärme auf und transportiert sie weiter.
  3. Wasser wird erhitzt und zu Wasserdampf.
  4. Der Dampf treibt eine Turbine an.
  5. Ein Generator wandelt die Drehbewegung in elektrische Energie um.

Steuerstäbe können Neutronen aufnehmen und die Reaktion bremsen. Zusätzlich gibt es mehrere Kühlsysteme und Sicherheitseinrichtungen. Das unterscheidet ein Kernkraftwerk grundlegend von einer unkontrollierten Kettenreaktion, wie sie bei einer Kernwaffe angestrebt wird.

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, dass der Reaktor selbst Strom „erzeugt“. Tatsächlich liefert er vor allem hochkonzentrierte Wärme. Der Strom entsteht erst im Generator, genau wie in vielen fossilen Kraftwerken. Der Unterschied liegt in der Wärmequelle.

Wie klimafreundlich Atomstrom wirklich ist

Während des laufenden Betriebs setzt ein Kernkraftwerk bei der Stromproduktion kein CO₂ aus Verbrennung frei. Das ist der große Vorteil gegenüber Kohle und in vielen Fällen auch gegenüber Erdgas. Betrachtet man jedoch den gesamten Lebenszyklus, gehören Uranabbau, Brennstoffherstellung, Kraftwerksbau, Transport, Rückbau und Entsorgung dazu.

Das Umweltbundesamt beziffert die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der Kernenergie für ein untersuchtes Basisjahr auf etwa 5 bis 15 Gramm CO₂-Äquivalente pro Kilowattstunde. Damit liegt sie deutlich unter Kohle und Erdgas und ungefähr in der Größenordnung anderer kohlenstoffarmer Energieträger.

Energiequelle Direkte CO₂-Emissionen im Betrieb Typische Stärke Wichtige Belastung
Kernenergie Nahe null Konstante Stromerzeugung Radioaktive Abfälle, Unfallrisiko, Uranabbau
Kohle Sehr hoch Planbare Erzeugung CO₂, Feinstaub, Bergbaufolgen
Erdgas Hoch Flexibel regelbar CO₂ und Methanemissionen
Wind und Solar Nahe null Erneuerbare Rohstoffbasis Wetterabhängigkeit, Flächen- und Netzausbau

Meine Einschätzung fällt deshalb differenziert aus. Wer nur auf den Ausstoß im Kraftwerksbetrieb schaut, unterschätzt fossile Energien und überschätzt den Vorteil der Kernenergie. Wer nur auf das Endlagerproblem schaut, übersieht dagegen, dass Kohle und Gas das Klima laufend belasten. Klimaschutz und Risikobewertung sind zwei getrennte Fragen.

Welche Nachteile und Risiken bleiben

Der sichtbarste Unterschied zu Wind- und Solarstrom liegt im Umgang mit den Rückständen. Bei der Kernspaltung entstehen radioaktive Abfälle, die über sehr lange Zeiträume sicher von Mensch und Umwelt isoliert werden müssen. Die Menge ist vergleichsweise klein, ihre besondere Gefährlichkeit verlangt jedoch eine dauerhafte technische und gesellschaftliche Lösung.

Hinzu kommen der Uranabbau, der hohe Kühlwasserbedarf und die Erwärmung von Gewässern. Bei einem schweren Unfall können radioaktive Stoffe großflächig freigesetzt werden. Solche Ereignisse sind selten, ihre möglichen Folgen aber gravierend. Genau diese Kombination aus niedriger Wahrscheinlichkeit und hoher Schadenswirkung prägt die politische Debatte.

Auch wirtschaftlich ist Kernenergie kein Selbstläufer. Neue Anlagen benötigen meist sehr hohe Anfangsinvestitionen und lange Planungs- und Bauzeiten. Bestehende Kraftwerke können wegen ihrer niedrigen Brennstoffkosten vergleichsweise günstig Strom produzieren, doch Rückbau, Sicherheitsanforderungen und Endlagerung gehören in eine vollständige Kostenrechnung.

Ein weiterer Punkt wird oft übersehen. Kernkraftwerke laufen am zuverlässigsten mit relativ gleichmäßiger Leistung. Sie können ihre Erzeugung zwar verändern, sind aber weniger flexibel als Gaskraftwerke. In einem Stromsystem mit viel Wind- und Solarenergie braucht man deshalb zusätzlich Netze, Speicher, flexible Kraftwerke und gutes Lastmanagement.

Atomenergie und fossile Kraftwerke im direkten Vergleich

Für die Klimapolitik ist die wichtigste Gemeinsamkeit schnell erklärt. Sowohl Kernkraftwerke als auch Kohle- und Gaskraftwerke können unabhängig vom Wetter Strom liefern. Der entscheidende Unterschied liegt in den Folgen ihrer Brennstoffe.

Kriterium Kernenergie Kohle Erdgas
Brennstoff Uran Stein- oder Braunkohle Erdgas
Erneuerbar Nein Nein Nein
CO₂-Bilanz Niedrig über den Lebenszyklus Sehr hoch Hoch, zusätzlich abhängig von Methanverlusten
Abfälle Radioaktive Abfälle Asche, Schadstoffe und CO₂ Vor allem gasförmige Emissionen und CO₂
Regelbarkeit Gut planbar, begrenzt flexibel Planbar, aber klimapolitisch problematisch Besonders flexibel

Wer nur zwischen Atomkraft und fossilen Kraftwerken wählen muss, schneidet Kernenergie beim Klimaschutz meist besser ab. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie für jedes Land oder jeden Zeitraum die beste Lösung ist. Baukosten, Sicherheitsstandards, Abfallpolitik, Netze und vorhandene Alternativen entscheiden über die Gesamtbilanz.

Welche Rolle Atomstrom in Deutschland noch spielt

Deutschland hat den Betrieb der letzten drei Kernkraftwerke am 15. April 2023 beendet. 2025 wurde im Inland daher kein Strom mehr aus Kernenergie erzeugt. Stromimporte aus Nachbarländern können jedoch teilweise aus Kernkraft stammen.

Dabei hilft eine wichtige technische Unterscheidung. Im europäischen Verbundnetz lassen sich einzelne Elektronen nicht nach ihrer Herkunft sortieren. Der Strom wird physisch gemischt. Über Herkunftsnachweise und Stromkennzeichnung werden Erzeugungsarten trotzdem bilanziell ausgewiesen.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2025 in Deutschland rund 437,6 Terawattstunden Strom erzeugt. Davon stammten 257,5 Terawattstunden beziehungsweise 58,8 Prozent aus erneuerbaren Energien. Erdgas lieferte 60,6 Terawattstunden, Steinkohle 28,2 und Braunkohle 67,2 Terawattstunden.

Damit ist die deutsche Debatte nicht beendet, sondern verschoben. Die Frage lautet heute weniger, wie bestehende Reaktoren weiterlaufen, sondern wie Versorgungssicherheit, Klimaschutz und bezahlbarer Strom ohne heimische Kernkraft zusammenpassen. Für mich ist dabei entscheidend, nicht einzelne Technologien isoliert zu bewerten, sondern das gesamte Energiesystem zu betrachten.

Was bei der Bewertung von Kernenergie oft untergeht

Atomstrom ist weder eine klimatische Wunderlösung noch eine rein fossile Alternative. Er bietet eine hohe Energiedichte und eine niedrige Lebenszyklus-Klimabilanz, bringt aber langfristige Abfälle, besondere Sicherheitsanforderungen und hohe Systemkosten mit sich.

Für eine faire Einordnung helfen drei Fragen. Wie viel CO₂ entsteht über den gesamten Lebenszyklus? Wie zuverlässig und flexibel kann die Energie bereitgestellt werden? Und wer trägt die Kosten und Verantwortung für Rückbau, Abfall und mögliche Schäden?

Wer diese Fragen trennt, kommt zu einer belastbareren Einschätzung. Kernenergie kann klimatisch deutlich besser als Kohle sein, ersetzt aber weder den Ausbau erneuerbarer Energien noch Netze, Speicher und einen sparsamen Umgang mit Strom. Genau diese nüchterne Einordnung ist hilfreicher als ein pauschales Dafür oder Dagegen.

Häufig gestellte Fragen

Bei der kontrollierten Spaltung von Uran entsteht Wärme. Ein Kühlmittel transportiert sie weiter, Wasser wird zu Dampf, der eine Turbine antreibt. Ein Generator wandelt die Drehbewegung anschließend in elektrische Energie um.

Im laufenden Betrieb entstehen keine direkten CO₂-Emissionen aus Verbrennung. Einschließlich Uranabbau, Brennstoffherstellung, Bau, Rückbau und Entsorgung liegen die Treibhausgasemissionen laut Artikel bei etwa 5 bis 15 Gramm CO₂-Äquivalenten pro Kilowattstunde. Damit liegt Kernenergie deutlich unter Kohle und Erdgas und ungefähr in der Größenordnung anderer kohlenstoffarmer Energieträger.

Für Atomstrom wird meist Uran genutzt. Uran ist ein mineralischer Brennstoff und nicht aus organischem Material über Millionen Jahre entstanden wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Es ist jedoch endlich und damit ebenfalls nicht erneuerbar.

Deutschland hat den Betrieb der letzten drei Kernkraftwerke am 15. April 2023 beendet. 2025 wurde im Inland daher kein Strom aus Kernenergie erzeugt. Stromimporte können teilweise aus Kernkraft stammen, wobei sich die Elektronen im europäischen Verbundnetz physisch mischen und die Herkunft bilanziell ausgewiesen wird.

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Emmy Kern

Emmy Kern

Mein Name ist Emmy Kern und ich bringe 14 Jahre Erfahrung im Bereich Umweltpolitik, Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaft mit. Schon früh hat mich die Dringlichkeit, mit der wir unsere Umwelt schützen müssen, fasziniert und motiviert, mich intensiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ich schreibe über die Herausforderungen und Chancen, die sich im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum und ökologischer Verantwortung ergeben. In meinen Artikeln lege ich großen Wert darauf, Informationen klar und verständlich zu präsentieren, damit Leserinnen und Leser komplexe Zusammenhänge nachvollziehen können. Dabei überprüfe ich stets meine Quellen, vergleiche verschiedene Perspektiven und halte mich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, nützliche und präzise Inhalte zu schaffen, die dazu beitragen, das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken zu schärfen und zu einem umweltbewussteren Handeln zu inspirieren.

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