Kohlekraftwerke erklärt - Strom, Emissionen und Kohleausstieg

Leipziger Stadtwerke beziehen Strom aus Kohle. Ein Diagramm zeigt die Umstellung auf ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk.

Geschrieben von

Anja Herold

Veröffentlicht am

29. Sept. 2026

Inhaltsverzeichnis

Ob der Strom aus der Steckdose klimafreundlich ist, hängt noch immer stark davon ab, welche Kraftwerke gerade laufen. Kohlekraftwerke liefern zuverlässig große Mengen Energie, verursachen dabei aber besonders hohe Treibhausgas- und Schadstoffemissionen. Ich zeige, wie aus Kohle elektrischer Strom entsteht, welche Rolle Braun- und Steinkohle in Deutschland 2026 noch spielen und warum der Ausstieg technisch, wirtschaftlich und sozial anspruchsvoll bleibt.

Kohlestrom bleibt wichtig, verliert aber an Bedeutung

  • 20,5 Prozent der deutschen Bruttostromerzeugung entfielen 2025 rechnerisch auf Braun- und Steinkohle.
  • Im Kraftwerk wird Kohle verbrannt, um Wasserdampf, Turbinen und Generatoren anzutreiben.
  • Braunkohle verursacht wegen ihres hohen Wasser- und geringeren Energiegehalts besonders hohe CO₂-Emissionen.
  • Deutschland hat den Kohleausstieg spätestens bis 2038 gesetzlich festgelegt.
  • Erneuerbare Energien ersetzen Kohle nicht allein durch neue Anlagen, sondern zusammen mit Netzen, Speichern und flexibler Nachfrage.

Wie aus Kohle elektrischer Strom wird

Das Grundprinzip ist einfach, die Technik dahinter jedoch keineswegs klein. Ein Kohlekraftwerk verwandelt die chemische Energie des Brennstoffs zunächst in Wärme und anschließend in mechanische Bewegung. Erst der Generator macht daraus elektrischen Strom.

Vom Brennstoff zur Dampfturbine

  1. Anlieferung und Zerkleinerung: Kohle wird per Bahn, Schiff oder Förderband angeliefert, getrocknet und zu feinem Staub gemahlen.
  2. Verbrennung: Der Kohlestaub verbrennt im Kessel bei sehr hohen Temperaturen. Die freiwerdende Wärme erhitzt Wasser.
  3. Dampferzeugung: Der Wasserdampf erreicht hohen Druck und strömt auf die Schaufeln einer Turbine.
  4. Stromproduktion: Die Turbine treibt einen Generator an. Er wandelt die Drehbewegung in elektrische Energie um.
  5. Kondensation: Nach der Turbine wird der Dampf abgekühlt, wieder zu Wasser und erneut in den Kreislauf eingespeist.

Für die Stromversorgung ist entscheidend, dass solche Anlagen ihre Leistung relativ gut planen können. Sie sind deshalb steuerbar, reagieren aber meist langsamer als Gaskraftwerke. Genau diese Eigenschaft war lange ein Vorteil, wird in einem Stromsystem mit viel Wind- und Solarenergie jedoch zunehmend zum Nachteil.

Was mit den Abgasen geschieht

Bei der Verbrennung entstehen neben CO₂ auch Stickoxide, Schwefeloxide, Feinstaub und Quecksilber. Moderne Anlagen nutzen Filter, Entschwefelung und Entstickung, um die Belastung zu senken. Diese Technik reduziert Schadstoffe, beseitigt aber nicht das zentrale Problem der Kohle, nämlich die große Menge an Kohlendioxid aus dem fossilen Brennstoff.

Zusätzlich bleiben Asche und bei der Rauchgasentschwefelung Gips zurück. Ein Teil davon kann weiterverwendet werden, ein anderer Teil muss sicher behandelt werden. Auch der Kühlwasserbedarf ist erheblich. Kraftwerke benötigen Kühltürme oder Flusswasser, wodurch sie mit Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und dem Schutz von Gewässern konkurrieren können.

Welche Rolle Kohle in Deutschland 2026 noch spielt

Der deutsche Strommix hat sich deutlich verändert, aber Kohle ist keineswegs verschwunden. Nach vorläufigen Jahresdaten von Destatis wurden 2025 rund 509,2 Terawattstunden Bruttostrom erzeugt. Davon entfielen 74,4 Terawattstunden auf Braunkohle und 29,9 Terawattstunden auf Steinkohle.

Energieträger Stromerzeugung 2025 Anteil an der Bruttostromerzeugung Einordnung
Braunkohle 74,4 TWh 14,6 Prozent Hohe CO₂-Intensität, meist regional gefördert
Steinkohle 29,9 TWh 5,9 Prozent Überwiegend importiert, flexibler einsetzbar
Windkraft 134,2 TWh 26,3 Prozent Wichtigste einzelne Energiequelle
Photovoltaik 92,2 TWh 18,1 Prozent Stark wachsend, aber tageszeit- und wetterabhängig

Die Zahlen zeigen zwei Dinge gleichzeitig. Kohle bleibt eine bedeutende Säule, besonders wenn wenig Wind weht oder die Nachfrage hoch ist. Gleichzeitig erzeugten Wind und Photovoltaik zusammen mehr als die doppelte Strommenge der beiden Kohlearten. Der Wandel ist also sichtbar, aber noch nicht abgeschlossen.

Bei der Einordnung muss man zwischen Bruttostromerzeugung und Stromverbrauch unterscheiden. Außerdem kann Deutschland Strom importieren oder exportieren. Ein Import bedeutet nicht automatisch, dass im Nachbarland gerade Kohle läuft, und ein Export beweist umgekehrt nicht, dass Deutschland vollständig mit sauberem Strom versorgt ist.

Warum Kohlekraftwerke dem Klima besonders schaden

Das größte Problem ist die Menge an Brennstoff, die für eine Kilowattstunde Strom benötigt wird. Kohle enthält viel Kohlenstoff, und dieser wird bei der Verbrennung fast vollständig zu CO₂. Je niedriger der Wirkungsgrad des Kraftwerks, desto mehr Brennstoff ist für dieselbe Strommenge nötig.

Braunkohle schneidet dabei meist schlechter ab als Steinkohle. Sie enthält mehr Wasser und hat einen geringeren Heizwert. Das Umweltbundesamt nennt für Braunkohle einen spezifischen Emissionsfaktor von mindestens 101.658 Kilogramm CO₂ pro Terajoule im Jahr 2023. Für Steinkohle lag der Faktor 2024 bei 94.116 Kilogramm pro Terajoule.

Zum Vergleich lag der Faktor für Erdgas-GuD-Kraftwerke bei rund 56.325 Kilogramm CO₂ pro Terajoule. Gas ist deshalb nicht klimaneutral, verursacht bei der Verbrennung aber weniger CO₂ als Kohle. Hinzu kommen mögliche Methanemissionen entlang der Lieferkette, die bei einer vollständigen Klimabilanz nicht unter den Tisch fallen dürfen.

Emissionen betreffen nicht nur das Klima

CO₂ ist unsichtbar und wirkt global. Schwefeloxide, Stickoxide, Feinstaub und Quecksilber belasten dagegen auch die regionale Luftqualität. Moderne Filteranlagen senken diese Emissionen deutlich, doch Bergbau, Transporte, Asche und Kraftwerksbetrieb hinterlassen weiterhin ökologische Spuren.

Besonders einschneidend ist der Braunkohletagebau. Ganze Landschaften werden umgebaut, Dörfer verlegt und Grundwasserströme verändert. Rekultivierung kann Schäden mindern, aber sie stellt die ursprüngliche Landschaft und ihre gewachsenen Ökosysteme nicht einfach wieder her.

Wie Kohle im Vergleich zu Gas, Atomkraft und Erneuerbaren abschneidet

Keine Energiequelle ist völlig ohne Nebenwirkungen. Für eine faire Bewertung sollten deshalb Emissionen, Versorgungssicherheit, Kosten, Bauzeit, Flächenbedarf und Folgelasten gemeinsam betrachtet werden.

Technologie Stärken Schwächen Rolle in Deutschland
Kohle Steuerbare Erzeugung, vorhandene Infrastruktur Sehr hohe CO₂- und Schadstoffemissionen, Bergbaufolgen Gesetzlicher Ausstieg bis spätestens 2038
Erdgas Flexibel regelbar, geringere CO₂-Emissionen als Kohle Fossil, abhängig von Brennstoffpreisen und Lieferketten Übergangs- und Reservefunktion möglich
Atomkraft Niedrige direkte CO₂-Emissionen, kontinuierliche Erzeugung Hohe Kosten, lange Bauzeiten, radioaktive Abfälle und Unfallrisiken Stromerzeugung seit April 2023 beendet
Wind und Solar Sehr geringe Betriebsemissionen, keine Brennstoffkosten Wetterabhängig, Bedarf an Netzen, Speichern und Flexibilität Wichtigste Wachstumsbereiche der Energiewende

Das Umweltbundesamt bewertet Kernenergie über den gesamten Lebenszyklus mit durchschnittlich 5 bis 15 Gramm CO₂-Äquivalenten je Kilowattstunde. Das ist deutlich weniger als bei fossilen Kraftwerken. Trotzdem folgt daraus nicht automatisch, dass neue Atomkraftwerke die schnellste oder wirtschaftlichste Klimaschutzmaßnahme wären.

Für mich liegt der entscheidende Unterschied bei der Umsetzungsgeschwindigkeit. Wind- und Solarprojekte können, wenn Planung und Netzausbau funktionieren, deutlich schneller ans Netz gehen als neue Kernkraftwerke. Bei der Atomkraft kommen lange Genehmigungs- und Bauzeiten, hohe Finanzierungskosten sowie die Entsorgung radioaktiver Abfälle hinzu.

Warum der Kohleausstieg mehr als Kraftwerksabschaltungen braucht

Der gesetzliche Ausstiegspfad sieht vor, die Kohleverstromung spätestens bis Ende 2038 vollständig zu beenden. Für 2030 ist ein deutlich niedrigeres Leistungsniveau vorgesehen. Die Bundesnetzagentur teilte 2025 außerdem mit, dass für das Zieljahr 2028 kein zusätzliches Kohleverfeuerungsverbot angeordnet werden musste, weil bereits ausreichend Kraftwerksleistung aus dem Markt ausgeschieden war.

Eine Abschaltung allein erzeugt aber noch keine sichere und bezahlbare Stromversorgung. Wenn Kohlekraftwerke wegfallen, müssen andere Bausteine ihre Funktionen übernehmen. Dazu gehören Wind- und Solaranlagen, Stromleitungen, Batteriespeicher, Pumpspeicher, flexible Gaskraftwerke, Lastmanagement und ein gut funktionierender europäischer Stromhandel.

Lesen Sie auch: CO2-Emissionen Deutschlands nach Sektoren verständlich erklärt

Die soziale Seite des Strukturwandels

Kohleregionen sind nicht nur Kraftwerksstandorte, sondern ganze Wirtschafts- und Lebensräume. Arbeitsplätze hängen an Bergwerken, Zulieferern, Bahnstrecken, Häfen und kommunalen Einnahmen. Ein guter Ausstieg braucht deshalb neue Wertschöpfung vor Ort, etwa durch Industrie, erneuerbare Energien, Forschung, Ausbildung und moderne Infrastruktur.

Die Kosten des Übergangs sollten transparent bleiben. Wird Kohle durch teure Reservekapazitäten ersetzt oder fehlen Leitungen, können Netzentgelte und Strompreise steigen. Wird zu langsam umgebaut, bleiben hohe CO₂-Schäden und Gesundheitskosten bestehen. Der sinnvollste Weg ist daher kein einfaches Umschalten, sondern ein abgestimmter Umbau des gesamten Energiesystems.

Was den Abschied von der Kohle wirklich beschleunigt

Die größte Wirkung entsteht nicht durch eine einzelne technische Lösung. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen, die sich gegenseitig absichern.

  • Erneuerbare Energien ausbauen: Mehr Wind- und Solarstrom senkt den Bedarf an fossilen Kraftwerken.
  • Netze verstärken: Strom muss von windreichen Regionen und Offshore-Anlagen zu Verbrauchszentren gelangen.
  • Speicher schaffen: Batterien helfen über Stunden, Pumpspeicher und Wasserstoff können längere Zeiträume abdecken.
  • Nachfrage flexibilisieren: Elektroautos, Wärmepumpen und Industrieanlagen können ihren Verbrauch teilweise an das Stromangebot anpassen.
  • Energie sparen: Jede nicht benötigte Kilowattstunde reduziert Erzeugung, Netzausbau und Brennstoffverbrauch.
  • Regionen beteiligen: Neue Projekte brauchen Akzeptanz, faire Einnahmen und verlässliche Perspektiven für Beschäftigte.

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, nur die installierte Leistung zu betrachten. Entscheidend ist, wann tatsächlich Strom verfügbar ist. Ein windstarker Sonntag mit niedriger Nachfrage löst andere Probleme als ein kalter, windarmer Werktag. Genau deshalb braucht die Energiewende neben neuen Anlagen auch Flexibilität und gute Planung.

Die wichtigste Zahl ist nicht der Kohleanteil allein

Kohle erzeugt zuverlässig Strom, bezahlt diese Zuverlässigkeit aber mit hohen Klima- und Umweltkosten. Deutschland hat den Rückgang der Kohleverstromung bereits deutlich eingeleitet, doch der verbleibende Anteil ist groß genug, um für Emissionen und Versorgungssicherheit weiterhin relevant zu sein.

Wer den Fortschritt beurteilen möchte, sollte deshalb nicht nur fragen, wie viele Kohlekraftwerke abgeschaltet wurden. Aussagekräftiger sind der tatsächliche Strommix, die Entwicklung der CO₂-Emissionen, der Ausbau von Netzen und Speichern sowie die Frage, ob betroffene Regionen wirtschaftlich eine neue Perspektive erhalten.

Meine Einschätzung ist klar: Kohle kann in Deutschland keine langfristige Grundlage für eine klimaverträgliche Stromversorgung sein. Der Ausstieg gelingt dann dauerhaft, wenn erneuerbare Energien, Infrastruktur und soziale Sicherheit gemeinsam wachsen und die Versorgung auch an dunklen, windarmen Tagen zuverlässig bleibt.

Häufig gestellte Fragen

Kohle wird zerkleinert und im Kessel verbrannt. Die Wärme erzeugt Wasserdampf, der eine Turbine antreibt. Ein Generator wandelt die Drehbewegung anschließend in elektrischen Strom um. Danach wird der Dampf kondensiert und erneut in den Kreislauf eingespeist.

Braunkohle enthält mehr Wasser und hat einen geringeren Heizwert. Deshalb muss für dieselbe Strommenge meist mehr Brennstoff eingesetzt werden. Das Umweltbundesamt nennt für Braunkohle mindestens 101.658 Kilogramm CO₂ pro Terajoule, für Steinkohle 94.116 Kilogramm.

2025 entfielen rechnerisch 14,6 Prozent der Bruttostromerzeugung auf Braunkohle und 5,9 Prozent auf Steinkohle, zusammen also 20,5 Prozent. Windkraft und Photovoltaik erzeugten zusammen mehr als doppelt so viel Strom wie beide Kohlearten. Kohle bleibt dennoch besonders bei hoher Nachfrage oder wenig Wind relevant.

Erforderlich sind zusätzliche Wind- und Solaranlagen, leistungsfähige Stromnetze, Batteriespeicher, Pumpspeicher, flexible Gaskraftwerke und ein anpassbarer Stromverbrauch. Auch der europäische Stromhandel und neue wirtschaftliche Perspektiven für Kohleregionen spielen eine wichtige Rolle.

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Anja Herold

Mein Name ist Anja Herold, und ich bringe 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Umweltpolitik, Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaft mit. Mein Interesse an diesen Themen entwickelte sich während meines Studiums, als ich erkannte, wie eng unsere wirtschaftlichen Entscheidungen mit der Umwelt verknüpft sind. Ich finde es spannend, komplexe Zusammenhänge zu erläutern und dabei zu helfen, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, besser zu verstehen. In meinen Artikeln beschäftige ich mich mit aktuellen Entwicklungen, politischen Maßnahmen und innovativen Ansätzen, die einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt haben können. Dabei lege ich großen Wert darauf, meine Informationen sorgfältig zu recherchieren und verschiedene Perspektiven zu vergleichen, um die Themen klar und verständlich zu präsentieren. Mein Ziel ist es, nützliche, präzise und aktuelle Inhalte bereitzustellen, die Leserinnen und Leser dazu anregen, sich aktiv mit den Herausforderungen des Klimaschutzes auseinanderzusetzen.

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