Der deutsche Strom kommt heute aus einem Mix aus Wind, Sonne, Kohle, Gas, Biomasse und Importen, die im Netz laufend miteinander ausgeglichen werden. Ich zeige hier, wie dieser Mix entsteht, warum Strom nicht einfach aus der nächsten Steckdose kommt und welche Quellen die Versorgung in Deutschland aktuell wirklich tragen. Dazu ordne ich die wichtigsten Zahlen ein und erkläre, was das für Preis, Klima und Versorgungssicherheit bedeutet.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Die Herkunft des Stroms lässt sich nicht an einer einzelnen Leitung ablesen, weil Einspeisung und Verbrauch im gemeinsamen Netz zusammenlaufen.
- Für 2025 meldet die Bundesnetzagentur 437,6 TWh realisierte Stromerzeugung, davon 58,8 Prozent aus erneuerbaren Energien.
- Wind ist die wichtigste Quelle, Photovoltaik wächst stark, Kohle und Gas bleiben für Lastspitzen und Dunkelflauten relevant.
- Strom kann nach der Einspeisung nicht mehr einer bestimmten Anlage oder einem bestimmten Haushalt physisch zugeordnet werden.
- Importe und Exporte sind kein Sonderfall, sondern ein normaler Teil des europäischen Strommarkts.
- Netze, Speicher und flexible Verbraucher entscheiden immer stärker darüber, wie sauber und günstig der Strom am Ende wird.
Was der deutsche Strommix in der Praxis bedeutet
Ich trenne bei diesem Thema bewusst zwischen Erzeugung und Versorgung. Ein Kraftwerk, eine Windanlage oder ein Solarfeld produziert Strom, doch sobald die Energie ins öffentliche Netz eingespeist wird, fließt sie in ein gemeinsames System aus Leitungen, Umspannwerken und Marktprozessen. Genau deshalb beantwortet die Frage nicht nur, welche Quellen Strom liefern, sondern auch, wie Netzbetreiber, Händler und Verbraucher diese Energie laufend ausgleichen.
Wichtig ist dabei ein einfacher Grundsatz: Elektrizität wird im Netz nicht mit Namensschild transportiert. Man kann also nicht sagen, dass die Kilowattstunde im Wohnzimmer exakt von einer bestimmten Windturbine oder einem bestimmten Kraftwerk stammt. Für die Praxis heißt das: Der Mix ist eine statistische und marktliche Größe, keine physische Einzellieferung. Genau an diesem Punkt wird die Debatte oft unnötig abstrakt, obwohl sie im Kern sehr konkret ist.
Wer den Strommarkt verstehen will, muss deshalb immer drei Ebenen zusammen denken: Erzeugung, Transport und Handel. Erst das Zusammenspiel dieser drei Elemente erklärt, warum in Deutschland viele Anlagen gleichzeitig wichtig sind, auch wenn sie ganz unterschiedliche Rollen spielen. Von dort ist der Schritt zu den aktuellen Zahlen nicht mehr weit.
Welche Quellen den Strom in Deutschland 2025 prägen
Die aktuell verfügbaren Jahresdaten zeigen ziemlich klar, wohin sich die Stromversorgung bewegt. Für 2025 weist die Bundesnetzagentur eine realisierte Stromerzeugung von 437,6 TWh aus, davon 257,5 TWh aus erneuerbaren Energien. Das entspricht 58,8 Prozent und macht die Erneuerbaren zum größten Pfeiler der deutschen Stromerzeugung. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Rest konventionell, weil Wetter, Last und Netzzustand nicht jeden Tag gleich sind.
| Energieträger | 2025 | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamterzeugung | 437,6 TWh | Die gesamte realisierte Stromerzeugung im öffentlichen Netz. |
| Erneuerbare gesamt | 257,5 TWh | Der dominante Block im deutschen Strommix, getragen vor allem von Wind und Sonne. |
| Wind an Land | 106,5 TWh | Größte einzelne Quelle im deutschen Strommix und für viele Wintertage entscheidend. |
| Wind auf See | 26,1 TWh | Wichtiger Baustein mit hoher Auslastung, aber räumlich auf Nord- und Ostsee konzentriert. |
| Photovoltaik | 74,1 TWh | Der am schnellsten wachsende Baustein, mit starkem Einfluss auf Mittagsspitzen und Sommermonate. |
| Biomasse | 36,0 TWh | Vergleichsweise konstant, oft wichtig als steuerbare Ergänzung im erneuerbaren Mix. |
| Konventionelle gesamt | 180,1 TWh | Bleibt als Absicherung für Zeiten mit wenig Wind, wenig Sonne oder hoher Last im System. |
| Braunkohle | 67,2 TWh | Weiter relevant, aber deutlich rückläufiger als in früheren Jahren. |
| Erdgas | 60,6 TWh | Flexibel einsetzbar und deshalb für Lastspitzen und Netzstabilität wichtig. |
| Steinkohle | 28,2 TWh | Weniger stark als Braunkohle, aber ebenfalls noch Teil der Versorgung. |
Das Muster ist klar: Wind dominiert, Solar gewinnt an Gewicht, und fossile Quellen bleiben als Absicherung im System. Der restliche Anteil entfällt vor allem auf Wasserkraft und kleinere erneuerbare Quellen, die im Gesamtbild wichtig sind, auch wenn sie nicht die Schlagzeilen bestimmen. Genau deshalb ist es zu kurz gegriffen, nur auf eine einzelne Technologie zu schauen.
Für die Einordnung hilft mir eine einfache Regel: Je stärker der erneuerbare Anteil wächst, desto mehr rückt nicht die Frage nach der reinen Erzeugung in den Vordergrund, sondern die Frage, wie der Strom zeitlich und räumlich ins Netz passt. Damit sind wir beim eigentlichen Nerv des Themas.

Warum Strom nicht direkt von der nächsten Anlage kommt
Das deutsche Stromnetz besteht aus vier Spannungsebenen: Höchstspannung, Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung. Die Höchstspannung mit 220 bis 380 kV transportiert große Strommengen über weite Strecken, etwa von Offshore-Windparks oder großen Kraftwerken zu den Verteilnetzen. In den unteren Ebenen wird die Energie dann Schritt für Schritt bis zu Haushalten und kleinen Betrieben heruntertransformiert.
| Netzebene | Aufgabe | Was das für den Stromfluss bedeutet |
|---|---|---|
| Höchstspannung | Ferntransport über große Distanzen | Verbindet Erzeugungszentren mit den regionalen Netzen. |
| Hochspannung | Regionale Verteilung | Bringt große Strommengen näher an Städte und Industriegebiete. |
| Mittelspannung | Lokale Verteilung | Versorgt Stadtteile, Gewerbe und kleinere Betriebe. |
| Niederspannung | Letzte Stufe bis zum Endverbraucher | Hier hängen Haushalte und viele kleinere Verbraucher direkt dran. |
Der entscheidende technische Punkt ist die Frequenz. Das Netz muss in Europa stabil bei 50 Hertz gehalten werden, sonst gerät das System aus dem Takt. Deshalb reicht es nie, nur genug Strom „im Jahresmittel“ zu haben. Erzeugung und Verbrauch müssen in jeder Minute ungefähr zusammenpassen, und genau dafür gibt es Regelenergie, Netzsteuerung und sogenannte Redispatch-Maßnahmen.
Redispatch heißt vereinfacht: Kraftwerke oder Anlagen werden kurzfristig hoch- oder runtergeregelt, damit Leitungen nicht überlastet werden. Das passiert besonders dann, wenn viel Windstrom im Norden anfällt, die Nachfrage aber im Süden sitzt oder wenn eine Leitung bereits stark ausgelastet ist. Diese Eingriffe sind kein Fehler des Systems, sondern sein Sicherheitsventil. Von hier ist es nur ein kleiner Schritt zur Frage, warum Stromhandel über Grenzen hinweg trotzdem alltäglich ist.
Welche Rolle Importe und Exporte spielen
Der deutsche Strommarkt ist fest in den europäischen Verbund eingebunden. Für 2024 meldete die Bundesnetzagentur im kommerziellen Außenhandel 67,0 TWh Import und 35,1 TWh Export. Das bedeutet nicht, dass Deutschland „zu wenig Strom“ hätte, sondern dass Strom dort gekauft wird, wo er gerade günstiger oder systemdienlicher verfügbar ist. Genau so funktioniert ein gekoppelter Markt.
Ich halte diesen Punkt für besonders wichtig, weil er oft missverstanden wird. Importstrom ist nicht automatisch ein Zeichen von Schwäche, und Exportstrom ist nicht automatisch ein Zeichen von Überfluss. Beides ist Teil eines Systems, das Angebot und Nachfrage über Ländergrenzen hinweg zusammenführt. Wenn im Inland Wind oder Sonne knapp sind oder der Preis hoch wäre, kann Strom aus Nachbarländern günstiger sein. Umgekehrt exportiert Deutschland, wenn die heimische Erzeugung wettbewerbsfähig ist.
Physikalisch bleibt das Netz dabei ein Verbund aus vielen Flüssen. Kauf und tatsächlicher Stromfluss sind nicht dasselbe, aber sie hängen eng zusammen. Für Leserinnen und Leser ist das die ehrliche Antwort auf die einfache Frage, woher unser Strom kommt: aus Deutschland und aus dem europäischen Verbund zugleich, je nach Stunde, Wetterlage und Marktpreis. Das führt direkt zu den Folgen für Preis und Versorgungssicherheit.
Was mehr erneuerbare Energie für Preise, Klima und Sicherheit verändert
2025 lag der durchschnittliche Day-Ahead-Großhandelspreis bei 89,32 Euro pro MWh. Gleichzeitig traten negative Großhandelspreise in 573 von 8.760 Stunden auf. Das ist kein kurioses Randphänomen, sondern ein Hinweis darauf, dass Angebot und Nachfrage zeitweise stark auseinanderlaufen können, vor allem bei viel Sonne, viel Wind und niedriger Last. Für den Markt ist das relevant, weil solche Ausschläge zeigen, wie wertvoll Flexibilität geworden ist.
Ich würde die Wirkung der Energiewende an drei Punkten festmachen:
- Klima: Mehr Strom aus Wind und Sonne senkt die direkten Emissionen des Stromsektors deutlich.
- Preis: Sehr günstige Erzeugung aus Sonne und Wind kann die Börsenpreise drücken, ersetzt aber nicht automatisch die Netzkosten im Endpreis.
- Sicherheit: Je höher der Anteil fluktuierender Quellen, desto wichtiger werden Speicher, Netze, Reservekraftwerke und steuerbare Nachfrage.
Genau hier liegen auch die realen Grenzen. Ein höherer Ökostromanteil löst das Versorgungssystem nicht von selbst. Ohne Netzausbau bleiben regionale Überschüsse in Norddeutschland und Engpässe in Süddeutschland bestehen. Ohne Speicher bleiben Mittagsüberschüsse ungenutzt. Und ohne flexible Verbraucher, etwa Industrieprozesse, Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur, wird es schwer, die Spitzen sauber und günstig zu glätten. Wer den Strommarkt ernsthaft bewertet, muss diese Kompromisse mitdenken. Die nächste Frage ist deshalb nicht nur, welche Quellen vorhanden sind, sondern wie man sie intelligent kombiniert.
Woran ich die nächste Phase der Stromversorgung messe
Für die kommenden Jahre sehe ich vier Hebel, die darüber entscheiden, ob der Strommix wirklich sauberer und gleichzeitig stabil bleibt. Erstens braucht das Netz mehr Kapazität, damit Wind- und Solarstrom dorthin kommen, wo er gebraucht wird. Zweitens müssen Speicher und flexible Lasten schneller wachsen, damit Überschüsse nicht einfach verloren gehen. Drittens braucht es weiterhin steuerbare Kraftwerke oder andere Reserveoptionen für windarme und sonnenarme Phasen. Viertens sollte der Ausbau von Verbrauchern mit eigener Flexibilität, etwa in der Industrie oder im Verkehr, konsequenter vorangetrieben werden.
Am Ende ist die Antwort auf die Herkunft des Stroms also zweigeteilt: Heute stammt der größte Teil in Deutschland aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Wind und zunehmend aus Photovoltaik. Gleichzeitig bleibt das System auf konventionelle Reserve, Importe und ein belastbares Netz angewiesen. Wer die Debatte sauber führen will, sollte deshalb nicht nur auf die Erzeugungsquelle schauen, sondern auf das ganze Zusammenspiel aus Markt, Leitungen und Flexibilität. Genau dort entscheidet sich, wie der Strommix in den nächsten Jahren wirklich aussieht.