Wie groß ist die Windkraft in Deutschland tatsächlich, und reicht die vorhandene Kapazität für die Energiewende aus? Ende 2025 waren in Deutschland rund 77,8 Gigawatt Windleistung installiert. Ich ordne die aktuellen Zahlen für Onshore- und Offshore-Anlagen ein, erkläre den Unterschied zwischen Leistung und Stromerzeugung und zeige, wie weit Deutschland noch von seinen Ausbauzielen entfernt ist.
Die wichtigsten Zahlen zur Windkraft auf einen Blick
- 77,8 GW Windleistung waren Ende 2025 insgesamt installiert.
- 68,2 GW entfielen auf Windenergie an Land.
- 9,7 GW standen in Nord- und Ostsee zur Verfügung.
- 2025 kamen an Land rund 4,6 GW neu hinzu.
- Bis 2030 soll die Onshore-Leistung auf 115 GW steigen.
Wie viel Windleistung Deutschland aktuell installiert hat
Die aktuellsten vollständig verfügbaren Zahlen beziehen sich auf das Jahresende 2025. Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag die installierte Bruttoleistung der Windenergie an Land bei 68.157 Megawatt. Auf See kamen weitere 9.673 Megawatt hinzu.
| Bereich | Installierte Leistung Ende 2025 | Einordnung |
|---|---|---|
| Windenergie an Land | 68,2 GW | Größter Teil der deutschen Windleistung |
| Windenergie auf See | 9,7 GW | Hohe Erträge durch stärkere und gleichmäßigere Winde |
| Windenergie insgesamt | 77,8 GW | Onshore und Offshore zusammen |
Damit ist die deutsche Windkraftkapazität gegenüber dem Vorjahr deutlich gewachsen. 2024 lagen die Werte bei ungefähr 63,6 GW an Land und 9,2 GW auf See. Der größte Fortschritt fand also bei den Onshore-Anlagen statt, die sich meist schneller planen und errichten lassen.
Die Zahlen beschreiben die technisch installierte Nennleistung. Sie zeigen, wie viel Strom alle Anlagen theoretisch gleichzeitig erzeugen könnten. Das ist eine wichtige Kennzahl für den Ausbau, sagt aber noch nicht aus, wie viel Elektrizität tatsächlich ins Netz eingespeist wird.
Warum installierte Leistung nicht gleich Stromerzeugung ist
Eine Windkraftanlage mit einer Nennleistung von beispielsweise 5 Megawatt läuft nur selten das ganze Jahr mit voller Leistung. Windgeschwindigkeit, Wartung, Netzengpässe und technische Abschaltungen beeinflussen den tatsächlichen Ertrag.
Für die Einordnung wird deshalb häufig der Kapazitätsfaktor verwendet. Er beschreibt, wie viel Strom eine Anlage im Jahresmittel im Verhältnis zu ihrer theoretisch möglichen Maximalproduktion erzeugt. Bei einem angenommenen Kapazitätsfaktor von 30 Prozent würde eine 5-Megawatt-Anlage rechnerisch etwa 13 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen.
Offshore-Anlagen erreichen im Allgemeinen höhere Auslastungen, weil der Wind auf See stärker und gleichmäßiger weht. Onshore-Projekte punkten dagegen mit kürzeren Transportwegen, niedrigeren Baukosten und der Möglichkeit, näher an Verbrauchszentren errichtet zu werden.
Ich halte diese Unterscheidung für besonders wichtig, weil in Debatten oft nur Gigawattzahlen verglichen werden. Für die Versorgungssicherheit zählt aber nicht allein die Größe des Kraftwerksparks, sondern auch, wann und wo der Strom verfügbar ist.
Onshore und Offshore erfüllen unterschiedliche Aufgaben
Windenergie an Land bildet das Rückgrat des deutschen Ausbaus. Ende 2025 entfielen fast 88 Prozent der gesamten Windleistung auf Onshore-Anlagen. Sie stehen vor allem in windreichen Regionen Nord- und Ostdeutschlands, werden aber zunehmend auch in Mittel- und Süddeutschland geplant.
Offshore-Windparks liefern weniger Gesamtleistung, sind pro Anlage aber deutlich größer. Moderne Turbinen erreichen inzwischen eine Leistung von 15 Megawatt. Ein einzelner Offshore-Park kann damit die Leistung vieler älterer Anlagen an Land bündeln.
| Kriterium | Onshore | Offshore |
|---|---|---|
| Standort | Landflächen, häufig außerhalb von Städten | Nordsee und Ostsee |
| Stärken | Schnellerer Ausbau und geringere Projektkosten | Stärkere Winde und höhere Auslastung |
| Herausforderungen | Genehmigungen, Abstände, Akzeptanz und Netzausbau | Hohe Baukosten, Netzanschlüsse und Wartung auf See |
| Rolle im System | Dezentrale Stromerzeugung in vielen Regionen | Große Strommengen für das überregionale Netz |
Beide Bereiche lassen sich deshalb nicht sinnvoll gegeneinander ausspielen. Deutschland braucht mehr Windleistung an Land, um den Ausbau schnell voranzubringen, und zusätzliche Offshore-Kapazitäten, um große Mengen erneuerbaren Stroms zuverlässig in das Übertragungsnetz einzuspeisen.
Wie schnell der Ausbau vorankommt
2025 wurden an Land rund 4,6 GW neue Windleistung in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurden knapp 0,6 GW endgültig stillgelegt. Dabei handelt es sich häufig um ältere Anlagen, die im Zuge des Repowerings durch leistungsstärkere Turbinen ersetzt werden.
Besonders aussagekräftig ist der Blick auf die Genehmigungen. 2025 wurden Genehmigungen für knapp 20,8 GW Onshore-Leistung erteilt. Zwischen Genehmigung, Finanzierung, Bau und Netzanschluss liegen allerdings oft mehrere Jahre. Eine hohe Genehmigungszahl führt deshalb nicht automatisch im selben Jahr zu einer hohen installierten Leistung.
Das politische Ausbauziel für Windenergie an Land liegt bei 115 GW bis 2030. Ausgehend von 68,1 GW Ende 2025 müssten dafür im Durchschnitt etwa 9,4 GW pro Jahr neu hinzukommen. Das ist deutlich mehr als der Zubau von 2025, aber die stark gestiegene Zahl genehmigter Projekte verbessert die Ausgangslage.
Für die Windenergie auf See gilt bis 2030 ein Ziel von mindestens 30 GW. Von den Ende 2025 installierten 9,7 GW ausgehend, wären dafür rechnerisch rund 4,1 GW zusätzlicher Offshore-Leistung pro Jahr erforderlich. Verzögerungen bei Lieferketten, Fundamenten und Netzanschlüssen können diesen Zeitplan jedoch schnell verschieben.
Was die Kapazität für Klimaschutz und Strompreise bedeutet
Mehr Windleistung senkt den Bedarf an fossiler Stromerzeugung, wenn ausreichend Wind weht. Dadurch können Emissionen aus Kohle- und Gaskraftwerken zurückgehen. Die Wirkung ist besonders groß, wenn Windstrom nicht abgeregelt wird, sondern direkt genutzt oder gespeichert werden kann.
Der Ausbau der Turbinen allein reicht deshalb nicht aus. Deutschland braucht parallel stärkere Stromnetze, Batteriespeicher, flexible Kraftwerke und mehr Verbrauch in Zeiten hoher Windproduktion. Auch Elektrolyseure, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge können helfen, zusätzliche Strommengen sinnvoll aufzunehmen.
Für die Strompreise ist die Lage komplexer. Windstrom hat nach dem Bau geringe laufende Kosten, doch Netzausbau, Systemreserven und die Integration schwankender Erzeugung verursachen zusätzliche Ausgaben. Ich würde deshalb vorsichtig sein, aus einer höheren installierten Leistung direkt dauerhaft sinkende Strompreise abzuleiten.
Der größere Nutzen liegt in der langfristigen Verringerung fossiler Abhängigkeiten. Je mehr erneuerbarer Strom verfügbar ist, desto leichter kann Deutschland Kohle, Gas und importierte Energieträger im Stromsystem ersetzen.
Wie sich die Zahlen richtig lesen lassen
Bei Statistiken zur Windkraft entstehen schnell Missverständnisse. Wer die Entwicklung bewerten möchte, sollte mindestens vier Punkte prüfen:
- Stichtag: Monatswerte und Jahresendwerte sind nicht direkt vergleichbar.
- Brutto oder netto: Neu gebaute Leistung kann durch Stilllegungen teilweise wieder verloren gehen.
- Onshore oder Offshore: Beide Bereiche haben unterschiedliche Kosten, Erträge und Ausbaugeschwindigkeiten.
- Leistung oder Erzeugung: Gigawatt beschreiben die Kapazität, nicht die tatsächlich erzeugten Kilowattstunden.
Auch die Zahl der Anlagen ist weniger aussagekräftig als früher. Eine moderne Turbine kann mehrere ältere Anlagen ersetzen und dabei deutlich mehr Strom erzeugen. Für die Bewertung des Ausbaus zählt daher vor allem die Kombination aus installierter Leistung, Jahreserzeugung und Netzintegration.
Die aktuell gemeldeten Werte basieren auf dem Marktstammdatenregister. Wie bei jeder laufenden Energiestatistik können sich Zahlen durch Nachmeldungen oder Korrekturen noch leicht verändern. Für einen belastbaren Vergleich sollte man deshalb immer denselben Datenstand und dieselbe Definition verwenden.
Die deutsche Windkraft braucht jetzt mehr Tempo und Systemplanung
Deutschland verfügte Ende 2025 über knapp 78 GW installierte Windleistung. Das ist eine starke Basis, reicht aber noch nicht aus, um die Ausbauziele für 2030 ohne deutlich höhere jährliche Zubauraten zu erreichen.
Entscheidend wird sein, genehmigte Projekte tatsächlich ans Netz zu bringen, alte Standorte effizient zu repowern und Leitungen sowie Speicher parallel auszubauen. Für mich ist deshalb nicht nur die nächste Gigawattzahl relevant, sondern die Frage, ob aus installierter Kapazität auch zuverlässig nutzbarer und bezahlbarer erneuerbarer Strom wird.