Wie viel Strom liefert ein Windkraftwerk wirklich?

Zwei Windkraftanlagen im Gegenlicht, die ihre Leistung für saubere Energie zeigen.

Geschrieben von

Ivonne Schweizer

Veröffentlicht am

9. Okt. 2026

Inhaltsverzeichnis

Wie viel Strom ein Windkraftwerk tatsächlich liefert, lässt sich nicht allein an der Zahl auf dem Typenschild ablesen. Entscheidend sind neben der Nennleistung auch Windgeschwindigkeit, Anlagenhöhe, Rotordurchmesser, Standort und Netzverfügbarkeit. Ich zeige, wie die Leistung gemessen wird, welche Größenordnungen in Deutschland üblich sind und warum der Jahresertrag oft wichtiger ist als die reine Megawattzahl.

Die wichtigsten Zahlen zur Leistung von Windenergieanlagen

  • Nennleistung bezeichnet die maximale elektrische Leistung unter passenden Windbedingungen.
  • Moderne Anlagen an Land erreichen häufig etwa 4 bis 7 MW.
  • Offshore-Anlagen liegen meist bei 10 bis 15 MW oder mehr.
  • Eine Anlage mit 5 MW erzeugt an Land je nach Standort ungefähr 8 bis 14 GWh Strom pro Jahr.
  • Für den tatsächlichen Ertrag sind Volllaststunden und Standortqualität entscheidender als die Nennleistung allein.

Nahaufnahme eines Windkraftwerks, das die beeindruckende Leistung der erneuerbaren Energien zeigt. Im Hintergrund erstreckt sich eine grüne Landschaft mit weiteren Windrädern.

Was die Leistung eines Windkraftwerks wirklich bedeutet

Mit der Leistung ist meist die Nennleistung gemeint. Sie wird in Kilowatt oder Megawatt angegeben und beschreibt, wie viel elektrische Leistung eine Anlage unter optimalen Windbedingungen höchstens abgeben kann. Ein Windrad mit 5 MW kann also in einem bestimmten Moment bis zu 5 Megawatt einspeisen, läuft aber nicht dauerhaft mit diesem Wert.

Das wird häufig missverstanden. Die Nennleistung ist eine Momentaufnahme, während der Stromertrag in Kilowattstunden oder Megawattstunden über einen Zeitraum gemessen wird. Für die Praxis ist deshalb die Kombination aus Leistung und Jahresertrag viel aussagekräftiger als die einzelne Zahl auf dem Datenblatt.

Leistung und Energie sind nicht dasselbe

Ein Megawatt beschreibt die elektrische Leistung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine Megawattstunde beschreibt dagegen die erzeugte Energiemenge. Läuft eine 5-MW-Anlage eine Stunde lang mit voller Leistung, entstehen 5 MWh Strom. Läuft sie vier Stunden mit durchschnittlich 2,5 MW, ist der Ertrag ebenfalls 10 MWh.

Die einfache Rechnung lautet Jahresertrag = Nennleistung × Volllaststunden. Bei 5 MW und 2.000 Volllaststunden ergibt sich ein theoretischer Jahresertrag von 10.000 MWh, also 10 GWh. In der Realität kommen Abregelungen, Wartungen, Netzengpässe und technische Verluste hinzu.

Warum Windgeschwindigkeit so viel ausmacht

Die verfügbare Windenergie steigt im relevanten Betriebsbereich ungefähr mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Steigt die Windgeschwindigkeit also von 6 auf 8 Meter pro Sekunde, nimmt die theoretisch nutzbare Energie deutlich stärker zu als nur um ein Drittel. Genau deshalb sind Höhenlage, freie Anströmung und geringe Turbulenzen so wichtig.

Ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit erreicht die Anlage ihre Nennleistung. Bei noch stärkerem Wind wird die Leistung elektronisch begrenzt, damit Generator, Getriebe und Rotor nicht überlastet werden. Bei Sturm schaltet sich das Windrad zum Schutz vollständig ab.

Welche Leistungen an Land und auf See üblich sind

Die Größe einer Windenergieanlage hängt stark vom Einsatzort ab. An Land zählen Transportwege, Abstände zu Siedlungen, Gelände und Genehmigungsbedingungen. Auf See können größere Rotoren und höhere Türme eingesetzt werden, weil dort meist stärkere und gleichmäßigere Winde herrschen.

Anlagentyp Typische Nennleistung Grobe Volllaststunden Beispielhafter Jahresertrag
Kleine Anlage bis etwa 1 MW 1.000 bis 2.000 1 bis 2 GWh
Moderne Onshore-Anlage 4 bis 7 MW 1.600 bis 2.800 6,4 bis 19,6 GWh
Offshore-Anlage 10 bis 15 MW oder mehr 3.500 bis 5.000 35 bis 75 GWh

Diese Werte sind Orientierungen, keine Garantie. Eine 6-MW-Anlage an einem schwachen Binnenlandstandort kann weniger Strom erzeugen als eine kleinere Anlage in einer windreichen Küstenregion. Nach Angaben des Umweltbundesamtes lag der Bestand an Land über längere Zeit im Mittel bei ungefähr 1.700 Volllaststunden, während moderne Anlagen an guten Standorten deutlich darüber liegen können.

Die Entwicklung geht dabei nicht nur in Richtung höherer Generatorleistung. Größere Rotoren fangen auch bei niedrigeren Windgeschwindigkeiten mehr Energie ein. Für viele Standorte ist deshalb ein großer Rotordurchmesser mit vergleichsweise niedriger spezifischer Leistung sinnvoller als ein möglichst großer Generator.

Ein Rechenbeispiel für eine Anlage an Land

Nehmen wir eine moderne Onshore-Anlage mit 5 MW Nennleistung und 2.200 Volllaststunden. Die Rechnung ergibt 11.000 MWh oder 11 GWh pro Jahr. Damit kann sie bilanziell mehrere tausend Haushalte mit Strom versorgen, wobei der tatsächliche Haushaltsverbrauch, Gewerbeanteil und regionale Strommix die Vergleichbarkeit beeinflussen.

Ich halte solche Haushaltsvergleiche für anschaulich, aber nur dann für sinnvoll, wenn sie als Jahresbilanz verstanden werden. Windstrom kommt nicht gleichmäßig aus der Steckdose. An windstillen Tagen braucht das Energiesystem zusätzliche Erzeuger, Speicher, Lastmanagement oder Stromimporte.

Warum Offshore-Anlagen meist mehr Strom erzeugen

Auf See herrschen meist höhere und gleichmäßigere Windgeschwindigkeiten als an Land. Außerdem können Offshore-Anlagen sehr große Rotoren verwenden, ohne dass enge Straßen, Brücken oder Ortschaften den Transport begrenzen. Das führt zu einer höheren Auslastung und damit zu mehr Strom pro installierter Megawatt Leistung.

Der Vorteil hat allerdings seinen Preis. Fundament, Seekabel, Umspannplattform, Spezialschiffe und Wartung unter schwierigen Bedingungen machen Offshore-Projekte technisch und finanziell aufwendiger. Ein Offshore-Windpark erzeugt zwar viel Energie, benötigt aber eine leistungsfähige Netzanbindung bis an Land.

Das Fraunhofer ISE weist bei der Betrachtung der deutschen Stromerzeugung darauf hin, dass installierte Leistung und tatsächliche Einspeisung auseinanderfallen können. Entscheidend ist, wie viele Stunden eine Anlage produktiv arbeitet und ob der erzeugte Strom abtransportiert werden kann.

Kriterium Onshore Offshore
Windangebot Stärker vom Standort und Gelände abhängig Meist höher und gleichmäßiger
Anlagengröße Durch Transport und Genehmigung begrenzt Sehr große Rotoren und Generatoren möglich
Netzanbindung Oft über regionale Netze Über Seekabel und Offshore-Plattformen
Hauptvorteil Geringere Bau- und Wartungskosten Hoher und relativ gleichmäßiger Ertrag
Hauptproblem Flächenkonflikte, Akzeptanz und schwankender Wind Hohe Investitionen und komplexe Infrastruktur

Welche Faktoren die tatsächliche Leistung bestimmen

Die Nennleistung eines Windrads ist nur der Ausgangspunkt. Für eine belastbare Ertragsprognose werden Windmessungen, Geländemodelle, Anlagenverluste und die geplante Parkanordnung ausgewertet. Schon kleine Unterschiede bei der Anströmung können den Jahresertrag spürbar verändern.

Nabenhöhe und Rotordurchmesser

Mit zunehmender Höhe nimmt die Windgeschwindigkeit an vielen Standorten zu. Ein höherer Turm bringt deshalb oft mehr Ertrag, verursacht aber höhere Kosten und kann die Genehmigung erschweren. Der Rotordurchmesser bestimmt, wie groß die überstrichene Fläche ist und wie viel Windenergie der Rotor aufnehmen kann.

Parkeffekt und Turbulenzen

Stehen mehrere Anlagen zu dicht hintereinander, nimmt die vordere Turbine dem Wind Energie. Hinter ihr entsteht ein langsamerer und verwirbelter Wind, der sogenannte Nachlauf. Eine gute Parkplanung kann den Ertrag erhöhen, benötigt aber mehr Fläche und muss Schall, Schattenwurf, Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigen.

Abregelung und Netzengpässe

Auch ein leistungsstarkes Windrad kann weniger Strom einspeisen, wenn das Netz die Energie nicht aufnehmen kann. Bei sehr starkem Wind wird außerdem manchmal abgeregelt, obwohl die Anlage technisch mehr produzieren könnte. Für die Energiewende ist daher nicht nur der Zubau von Windleistung wichtig, sondern auch Netzausbau, Speicher und flexible Verbraucher.

Lesen Sie auch: 100 Prozent erneuerbare Energien in Deutschland - wie gelingt das?

Wartung und technische Verluste

Generator, Umrichter, Transformator und Netzanschluss verursachen Verluste. Hinzu kommen Stillstandszeiten für Inspektionen oder Reparaturen. Bei Offshore-Anlagen kann eine Wartung besonders lange dauern, wenn Wetter und Seegang den Zugang verhindern.

Wie viel Strom erzeugt ein Windkraftwerk in Deutschland

Deutschland erzeugte 2025 nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 133,9 Milliarden Kilowattstunden Windstrom. Das zeigt die große Bedeutung der Windenergie für die erneuerbare Stromversorgung, sagt aber wenig über die Leistung einer einzelnen Anlage aus. Dafür muss man immer auf den jeweiligen Standort und die Auslastung schauen.

Eine brauchbare Faustformel für eine erste Einschätzung ist die Zahl der Volllaststunden. Bei einer 5-MW-Anlage ergeben sich ungefähr folgende Werte:

  • 1.500 Volllaststunden ergeben 7,5 GWh pro Jahr.
  • 2.000 Volllaststunden ergeben 10 GWh pro Jahr.
  • 2.500 Volllaststunden ergeben 12,5 GWh pro Jahr.
  • 4.000 Volllaststunden ergeben 20 GWh pro Jahr.

Die vierte Zahl passt eher zu einem sehr guten Offshore-Standort als zu einer durchschnittlichen Anlage im Binnenland. Wer mit dem maximalen Wert aus dem Datenblatt rechnet und den Standort ignoriert, überschätzt den Ertrag fast zwangsläufig.

Für die Klimawirkung zählt schließlich nicht nur die produzierte Strommenge, sondern auch, welche fossile Erzeugung dadurch ersetzt wird. Windenergie senkt Emissionen besonders dann wirksam, wenn Netze, Speicher und Verbrauch zeitlich gut mit der Einspeisung zusammenspielen.

Die entscheidende Zahl steht nicht auf dem Typenschild

Bei der Bewertung einer Windenergieanlage schaue ich zuerst auf drei Werte: Nennleistung, erwartete Volllaststunden und Jahresertrag. Erst diese Kombination zeigt, ob ein Projekt an seinem Standort wirklich leistungsfähig ist.

Eine höhere Megawattzahl ist nicht automatisch die bessere Lösung. Ein größerer Rotor, ein passender Turm, ein windreicher Standort und eine stabile Netzanbindung können für den tatsächlichen Stromertrag wichtiger sein als der größtmögliche Generator.

Wer Windenergie sachlich beurteilen möchte, sollte deshalb nicht fragen, wie viel Leistung ein Windrad theoretisch hat. Die bessere Frage lautet, wie viel verlässlichen Strom es über das Jahr hinweg erzeugt und wie gut dieser Strom ins Energiesystem passt.

Häufig gestellte Fragen

Je nach Standort und Auslastung sind etwa 8 bis 14 GWh pro Jahr möglich. Bei 2.200 Volllaststunden ergibt eine 5-MW-Anlage rund 11 GWh. Abregelungen, Wartungen, Netzengpässe und technische Verluste können den tatsächlichen Ertrag verringern.

Die Nennleistung beschreibt die maximale elektrische Leistung in einem bestimmten Moment und wird in Megawatt angegeben. Der Jahresertrag misst dagegen die über ein Jahr erzeugte Energie in Megawattstunden oder Gigawattstunden. Eine 5-MW-Anlage erzeugt bei 2.000 Volllaststunden rechnerisch 10 GWh pro Jahr.

Auf See weht der Wind meist stärker und gleichmäßiger. Außerdem ermöglichen die Bedingungen größere Rotoren und Generatoren. Offshore-Anlagen erreichen häufig 10 bis 15 MW oder mehr, etwa 3.500 bis 5.000 Volllaststunden und ungefähr 35 bis 75 GWh Jahresertrag.

Entscheidend sind unter anderem Windgeschwindigkeit, Nabenhöhe, Rotordurchmesser, Standortqualität und Turbulenzen. Zusätzlich beeinflussen Parkeffekte, Wartungen, technische Verluste, Abregelungen und die verfügbare Netzkapazität, wie viel Strom tatsächlich eingespeist wird.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags:

windkraftanlagen volllaststunden nennleistung jahresertrag offshore-windenergie

Beitrag teilen

Ivonne Schweizer

Ivonne Schweizer

Mein Name ist Ivonne Schweizer, und ich bringe fünf Jahre Erfahrung im Bereich Umweltpolitik, Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaft mit. Mein Interesse an diesen Themen entwickelte sich aus der Überzeugung, dass wir alle eine Verantwortung für unseren Planeten tragen. Ich schreibe leidenschaftlich über die Herausforderungen und Chancen, die sich in der nachhaltigen Entwicklung ergeben, und möchte meinen Lesern helfen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und praktikable Lösungen zu finden. In meinen Artikeln konzentriere ich mich darauf, aktuelle Trends und Entwicklungen zu analysieren, Informationen zu vergleichen und verständlich aufzubereiten. Mir ist es wichtig, dass meine Beiträge nicht nur informativ, sondern auch zugänglich sind, damit jeder die Möglichkeit hat, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Dabei lege ich großen Wert auf die Genauigkeit meiner Quellen und darauf, stets aktuelle und relevante Informationen zu liefern.

Kommentar schreiben