Stromherkunft in Deutschland - so funktioniert der Mix

Kreisdiagramm zeigt, woher der Strom kommt: 50,9% aus erneuerbaren Energien (EEG-Umlage), 22,3% aus Kohle, 14,7% aus Erdgas.

Geschrieben von

Anja Herold

Veröffentlicht am

29. Juli 2026

Inhaltsverzeichnis

Elektrischer Strom in Deutschland stammt heute nicht aus einer einzigen Quelle, sondern aus einem Zusammenspiel von Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Gas, Kohle und grenzüberschreitendem Handel. Wer verstehen will, wie das wirklich funktioniert, muss Erzeugung, Strommarkt und Netz getrennt betrachten - erst dann wird klar, warum der Strommix so aussieht, wie er aussieht, und warum nicht jede Kilowattstunde direkt einem bestimmten Kraftwerk zugeordnet werden kann.

Die Stromversorgung in Deutschland ist ein Mix aus Erzeugung, Markt und Netz

  • 2025 stammte mehr als die Hälfte des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien.
  • Wind blieb die wichtigste Einzelquelle, Photovoltaik wuchs weiter stark, Biomasse und Wasserkraft stabilisieren das System.
  • Der Strom aus der Steckdose ist physisch immer ein Netzprodukt, kein Direkteintrag aus einem einzelnen Kraftwerk.
  • Strommarkt und Netz erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Preise entstehen am Markt, der Transport läuft über das Netz.
  • Engpässe werden mit Redispatch, Speicher, Flexibilität und Netzausbau abgefedert.
  • Ökostromtarife sagen etwas über Bilanzierung und Herkunftsnachweise, nicht über einen separaten Stromdraht bis ins Haus.

Aus diesen Quellen stammt der Strom heute

Die kurze, ehrliche Antwort auf die Frage nach der Stromherkunft lautet: aus einem wachsenden Mix. In Deutschland tragen vor allem Windenergie und Photovoltaik die Stromversorgung der Zukunft, während Biomasse und Wasserkraft wichtige, aber mengenmäßig kleinere Bausteine liefern. Konventionelle Kraftwerke und Importe schließen Lücken, wenn Wetter, Last oder Netzsituation es verlangen.

Für 2025 ergibt sich ein klares Bild: Wind war mit rund 132 Terawattstunden der größte erneuerbare Erzeuger, Photovoltaik kam auf etwa 92 Terawattstunden, Biomasse auf rund 41,1 Terawattstunden und Wasserkraft auf etwa 17,8 Terawattstunden. Genau diese Verschiebung ist zentral, wenn man verstehen will, warum der deutsche Strommix heute deutlich sauberer ist als noch vor einigen Jahren - und warum er gleichzeitig stärker von Wetter und Netzstruktur abhängt.

Quelle Wie der Strom entsteht Typische Rolle im System Stärken und Grenzen
Windenergie Rotoren treiben Generatoren an, an Land und auf See Größte einzelne Stromquelle im Erneuerbaren-Mix Sehr günstig an guten Standorten, aber wetterabhängig und netzseitig anspruchsvoll
Photovoltaik Solarzellen wandeln Licht direkt in Strom um Starker Wachstumstreiber, besonders mittags und im Sommer Schnell ausbaubar, aber saisonal und tageszeitlich stark schwankend
Wasserkraft Fließendes oder gespeichertes Wasser treibt Turbinen an Verlässlicher, aber mengenmäßig begrenzter Beitrag Stabil und gut regelbar, jedoch durch Standorte, Niederschlag und Naturschutz begrenzt
Biomasse Biogas, Holz oder andere organische Stoffe werden verstromt Flexible erneuerbare Ergänzung Planbar und steuerbar, aber Rohstoffmengen sind begrenzt
Erdgas Verbrennung in Gas- oder GuD-Kraftwerken Flexibler Ausgleich für Spitzenlasten Schnell regelbar, aber fossil und mit CO2-Emissionen verbunden
Kohle Verbrennung in Dampfkraftwerken Rückläufige Rest- und Reservezquelle Technisch robust, aber emissionsintensiv und politisch sowie wirtschaftlich unter Druck
Importe Strom wird grenzüberschreitend gehandelt und physisch über Interkonnektoren transportiert Ausgleich bei Knappheit oder günstigen Marktpreisen im Ausland Wichtig für die Flexibilität, aber abhängig von Nachbarländern und dortigen Preisen

Die eigentliche Entwicklung ist dabei nicht nur „mehr erneuerbar“, sondern auch „anders erzeugt“: weniger zentral in wenigen Großkraftwerken, stärker verteilt über viele Anlagen, oft näher an Verbrauch und Netzanschluss. Genau daraus entsteht später das Spannungsfeld zwischen Strommarkt, Netz und Versorgungssicherheit.

Warum der Strom aus der Steckdose nicht direkt aus einem Kraftwerk kommt

Ich halte diese Unterscheidung für entscheidend, weil hier viele Missverständnisse entstehen. Elektrischer Strom ist kein Produkt mit individueller Spur wie ein Paket, das von A nach B geschickt wird. Er fließt physikalisch durch ein gemeinsames Netz, und was Sie am Ende nutzen, ist immer das Ergebnis aus Einspeisung, Verbrauch, Netzführung und Bilanzierung.

Das heißt praktisch: Wenn in Norddeutschland ein Windpark viel produziert, landet dieser Strom nicht exklusiv bei einem bestimmten Haushalt in Bayern. Er speist in das Verbundnetz ein, von dort aus verteilt sich die Energie nach den physikalischen Regeln des Netzes. Genau deshalb ist die Frage nach der Herkunft nicht nur eine Frage des Ortes, sondern auch der Zeit, der Marktlogik und der Dokumentation.

Wichtig ist außerdem die Trennung zwischen Übertragungsnetz und Verteilnetz. Das Übertragungsnetz transportiert große Mengen über weite Strecken, das Verteilnetz bringt den Strom in Städte, Gemeinden, Industriegebiete und Haushalte. Diese Infrastruktur ist der Grund, warum Deutschland trotz regional sehr unterschiedlicher Erzeugung überhaupt einen gemeinsamen Strommarkt betreiben kann.

Auch die Entgelte zeigen diese Logik: Die Bundesnetzagentur beschreibt Netzentgelte als Preis für die Nutzung des Stromnetzes, und sie sind entfernungsunabhängig. Vereinfacht gesagt zahlt man also nicht mehr, weil der Strom aus einem „weiter entfernten“ Kraftwerk kommt, sondern für die gemeinsame Infrastruktur, die ihn transportiert.

Genau an diesem Punkt wird sichtbar, warum der nächste Schritt nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch ist: Wer mehr erneuerbare Energie will, braucht nicht nur neue Anlagen, sondern auch ein Netz, das diese Mengen aufnehmen und verteilen kann.

So greifen Strommarkt und Erzeugung ineinander

Der Strommarkt sorgt dafür, dass Angebot und Nachfrage zusammenfinden. Weil Strom nur begrenzt speicherbar ist, muss sehr genau geplant werden, was wann ins Netz eingespeist wird. Das passiert nicht in einem einzigen Schritt, sondern über mehrere Ebenen: langfristige Verträge, den kurzfristigen Spotmarkt und die laufende Feinsteuerung bis kurz vor der Lieferung.

Am einfachsten lässt sich das so lesen: Der Markt entscheidet, welche Anlagen wirtschaftlich erzeugen, und das Netz entscheidet, ob diese Leistung technisch tatsächlich dorthin transportiert werden kann, wo sie gebraucht wird. In der Praxis heißt das, dass niedrige Preise oft mit viel Wind und Sonne zusammenfallen, während knappe Erzeugung und hohe Last die Preise nach oben treiben. Das ist kein Fehler des Systems, sondern genau seine Preissignalfunktion.

Marktebene Was dort passiert Warum das wichtig ist
Termin- und Langfristmarkt Strom wird für spätere Lieferzeiträume abgesichert Erzeuger und Versorger bekommen Planungssicherheit
Day-Ahead-Markt Strommengen werden für den nächsten Tag stundenweise gehandelt Hier zeigt sich sehr deutlich, wann Wind und Sonne den Preis drücken
Intraday-Markt Prognosen werden kurz vor Lieferung korrigiert Wetteränderungen und Lastverschiebungen werden ausgeglichen
Regel- und Ausgleichsenergie Abweichungen werden in Echtzeit ausgeglichen So bleibt die Netzfrequenz von 50 Hertz stabil

Gerade bei Wind und Photovoltaik ist diese Marktlogik zentral, weil ihre Einspeisung naturgemäß schwankt. Wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, wird konventionelle Erzeugung verdrängt. Wenn Flaute oder Bewölkung einsetzt, springen flexible Kraftwerke, Speicher, Lastverschiebung oder Importe ein. Das System ist also nicht „entweder erneuerbar oder sicher“, sondern lebt von der Kombination aus beidem.

Aus meiner Sicht ist das die eigentliche Botschaft für Leserinnen und Leser: Strom ist heute ein hochkoordiniertes Echtzeitsystem, kein statisches Produkt aus einer einzelnen Anlage. Und genau deshalb spielt der Netzausbau die nächste große Rolle.

Warum Netzausbau und Redispatch für die Stromherkunft entscheidend sind

Deutschland erzeugt Strom regional sehr unterschiedlich. Viel Wind entsteht im Norden und auf See, große Verbrauchszentren liegen aber auch in anderen Teilen des Landes, und neue Solaranlagen kommen oft dezentral auf Dächern, Gewerbeflächen oder in Freiflächenanlagen dazu. Diese Verteilung ist energiewirtschaftlich sinnvoll, erzeugt aber Engpässe, wenn Leitungen nicht schnell genug mitwachsen.

Wenn an einer Stelle im Netz zu viel Leistung ankommt, greift Redispatch. Dabei werden Anlagen auf der einen Seite des Engpasses herunter- und auf der anderen Seite hochgefahren, damit das Netz nicht überlastet wird. Das ist technisch notwendig und kein Zeichen von Versagen, sondern eine Art Notfall- und Korrekturmechanismus für ein Netz im Umbau.

Die Bundesnetzagentur meldete für 2025 rund 2.000 Kilometer genehmigte Stromleitungen. Das zeigt zwei Dinge zugleich: Der Ausbau kommt voran, aber er ist noch längst nicht abgeschlossen. Solange die Netze nicht vollständig auf den neuen Strommix ausgelegt sind, bleiben Engpässe, Redispatch und regionale Unterschiede bei den Netzentgelten ein fester Bestandteil des Systems.

Besonders wichtig ist dabei die Kostenfrage. Regionen, die deutlich mehr erneuerbaren Strom erzeugen als sie selbst verbrauchen, tragen oft hohe Umbaukosten für das Netz. Gleichzeitig versorgt dieser Strom nicht nur die Region, sondern ganz Deutschland. Deshalb werden diese Lasten schrittweise breiter verteilt, damit die Energiewende nicht an einzelnen Netzknoten hängen bleibt.

Auch der grenzüberschreitende Handel gehört zur Realität: 2025 importierte Deutschland insgesamt 76,2 Terawattstunden Strom und exportierte 54,3 Terawattstunden. Solche Handelsströme sind kein Widerspruch zur Energiewende, sondern ein Stabilitätsinstrument. Sie helfen, Preisunterschiede, Wetterlagen und Lastspitzen zwischen den Ländern auszugleichen.

Wer Strommarkt und Netze gemeinsam denkt, versteht deshalb besser, warum die Stromherkunft nie nur eine Frage von „wo steht das Kraftwerk?“ ist. Sie ist immer auch eine Frage von Leitungen, Engpässen und Marktintegration.

Was ein Ökostromtarif wirklich über die Herkunft aussagt

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, ob ihr Strom „wirklich grün“ ist. Die saubere Antwort lautet: Ein Tarif sagt zunächst etwas über die Bilanzierung und die Herkunftsnachweise aus, nicht über einen exklusiven physischen Stromfluss bis zur Steckdose. Genau deshalb ist Stromkennzeichnung so wichtig.

Das Umweltbundesamt führt das Herkunftsnachweisregister für Strom aus erneuerbaren Energien. Ein Herkunftsnachweis belegt, wie und wo Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde. Er enthält unter anderem die Energiequelle, den Standort der Anlage und den Zeitraum der Erzeugung. Damit wird verhindert, dass derselbe Ökostrom mehrfach als „grün“ verkauft wird.

Für die Praxis heißt das: Wenn Sie einen Ökostromtarif abschließen, sollten Sie nicht nur auf ein grünes Label schauen. Ich prüfe immer, ob der Anbieter Herkunftsnachweise entwertet, ob er nachvollziehbar mit regionalen Nachweisen arbeitet und ob der Tarif mehr ist als reine Zertifikatsbuchhaltung. Je transparenter der Anbieter dabei ist, desto eher hat das Produkt Substanz.

  • Stromkennzeichnung zeigt den Mix des gelieferten Stroms und den durchschnittlichen Mix des Anbieters.
  • Herkunftsnachweise belegen die erneuerbare Herkunft einer bestimmten Strommenge.
  • Regionalnachweise können zeigen, dass Strom aus einer Anlage in räumlicher Nähe stammt.
  • Residualmix beschreibt den nicht individuell zugeordneten Reststrommix im Markt.

Der wichtige Punkt dahinter ist nicht ideologisch, sondern praktisch: Wer die Herkunft von Strom bewerten will, braucht Transparenz über Erzeugung, Nachweis und Vermarktung. Erst dann lässt sich ein Tarif sinnvoll einordnen.

Worauf ich bei der Stromherkunft heute besonders achte

Für die Einordnung von Strom im Jahr 2026 reichen Schlagworte allein nicht aus. Ich schaue immer auf drei Ebenen: Wie wird erzeugt, wie wird transportiert und wie wird bilanziert. Erst aus dieser Kombination ergibt sich ein realistisches Bild.

  • Erzeugung entscheidet, ob Strom aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse oder fossilen Kraftwerken stammt.
  • Netz entscheidet, ob diese Energie technisch sicher und regional ausgeglichen verteilt werden kann.
  • Markt entscheidet, welche Anlagen wirtschaftlich laufen und wie Flexibilität bezahlt wird.
  • Nachweise entscheiden, ob ein Stromprodukt transparent und glaubwürdig als Ökostrom ausgewiesen wird.

Die Kernbotschaft ist einfach: Deutschlands Strom wird zunehmend erneuerbar erzeugt, aber er wird in einem gemeinsamen Verbundnetz geliefert, gehandelt und ausgeglichen. Wer das auseinanderhält, versteht nicht nur die Herkunft des Stroms besser, sondern auch Preise, Netzengpässe und die politische Logik der Energiewende.

Häufig gestellte Fragen

2025 kam mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Wind war mit rund 132 Terawattstunden die größte Quelle, gefolgt von Photovoltaik mit etwa 92 Terawattstunden, Biomasse mit rund 41,1 Terawattstunden und Wasserkraft mit etwa 17,8 Terawattstunden. Fossile Kraftwerke und Importe schließen Lücken, wenn Wetter oder Last es verlangen.

Weil Strom physikalisch durch ein gemeinsames Netz fließt und nicht als einzelnes Produkt mit eigener Spur transportiert wird. Ein Windpark in Norddeutschland speist also ins Verbundnetz ein, aber nicht exklusiv in einen bestimmten Haushalt in Bayern. Welche Herkunft am Ende angerechnet wird, hängt deshalb auch von Markt, Zeit und Bilanzierung ab.

Der Markt sorgt dafür, dass Angebot und Nachfrage zusammenfinden, das Netz dafür, dass die Leistung technisch dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Auf dem Day-Ahead-, Intraday- und Ausgleichsmarkt werden Prognosen laufend angepasst, damit die Netzfrequenz bei 50 Hertz stabil bleibt. Bei viel Wind und Sonne sinken die Preise oft, bei Flaute helfen flexible Kraftwerke, Speicher und Importe.

Ein Ökostromtarif sagt vor allem etwas über Bilanzierung und Herkunftsnachweise aus, nicht über einen eigenen grünen Draht bis zur Steckdose. Das Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamts belegt Quelle, Standort und Erzeugungszeit einer Strommenge und verhindert Doppelvermarktung. Wer Transparenz will, sollte prüfen, ob der Anbieter Nachweise entwertet und nachvollziehbar kommuniziert.

Weil Erzeugung und Verbrauch regional stark auseinanderliegen. Wenn im Netz zu viel Leistung ankommt, werden Anlagen auf einer Seite des Engpasses herunter- und auf der anderen Seite hochgefahren, damit Leitungen nicht überlasten. 2025 waren rund 2.000 Kilometer Stromleitungen genehmigt, trotzdem bleiben Engpässe und regionale Unterschiede vorerst Teil des Systems.

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Anja Herold

Mein Name ist Anja Herold, und ich bringe 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Umweltpolitik, Klimaschutz und nachhaltige Wirtschaft mit. Mein Interesse an diesen Themen entwickelte sich während meines Studiums, als ich erkannte, wie eng unsere wirtschaftlichen Entscheidungen mit der Umwelt verknüpft sind. Ich finde es spannend, komplexe Zusammenhänge zu erläutern und dabei zu helfen, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, besser zu verstehen. In meinen Artikeln beschäftige ich mich mit aktuellen Entwicklungen, politischen Maßnahmen und innovativen Ansätzen, die einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt haben können. Dabei lege ich großen Wert darauf, meine Informationen sorgfältig zu recherchieren und verschiedene Perspektiven zu vergleichen, um die Themen klar und verständlich zu präsentieren. Mein Ziel ist es, nützliche, präzise und aktuelle Inhalte bereitzustellen, die Leserinnen und Leser dazu anregen, sich aktiv mit den Herausforderungen des Klimaschutzes auseinanderzusetzen.

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