Wie kann eine ehemalige Braunkohlefläche zur Grundlage einer klimafreundlichen Energieversorgung werden? Der Energiepark Lausitz in der Gemeinde Schipkau zeigt, wie Photovoltaik, Windkraft und perspektivisch grüner Wasserstoff miteinander verbunden werden können. Ich ordne die wichtigsten Daten ein, erkläre den technischen Aufbau und zeige, welchen Beitrag das Projekt zum Strukturwandel leistet, aber auch wo seine Grenzen liegen.
Ein Solarprojekt mit Bedeutung für den Lausitzer Strukturwandel
- Standort: ehemalige Hochkippe des Braunkohletagebaus Klettwitz bei Schipkau in Brandenburg
- Leistung: bis zu 300 MWp Photovoltaik auf rund 429 Hektar
- Baukonzept: drei Solarpark-Abschnitte zwischen bestehenden Windenergieanlagen
- Nutzung: Strom für das öffentliche Netz, regionale Abnehmer und die geplante Wasserstoffproduktion
- Bedeutung: Umwandlung einer Bergbaufolgelandschaft in einen Standort für erneuerbare Energien

Was hinter dem Energiepark in Klettwitz steckt
Der Standort liegt auf der ehemaligen Hochkippe des Tagebaus Klettwitz. Der Boden wurde durch den Braunkohlenbergbau künstlich aufgeschüttet und ist für intensive Landwirtschaft nur eingeschränkt geeignet. Genau darin liegt die Stärke des Projekts, denn eine Fläche mit begrenztem landwirtschaftlichem Wert erhält eine neue Funktion als Standort für klimafreundliche Stromerzeugung.
Das Vorhaben verbindet mehrere Technologien. Auf den Freiflächen entstehen Photovoltaikanlagen, während der bereits vorhandene Windpark weiter genutzt wird. Die Gemeinde Schipkau beschrieb das Konzept ursprünglich so, dass ungefähr 60 Prozent der geeigneten Freiflächen für Solarenergie genutzt werden und zugleich Platz für Windkraft, ökologische Korridore und Ausgleichsmaßnahmen bleibt.
Die ersten Bauarbeiten begannen 2021. Der Solarpark Klettwitz Nord mit rund 90 MW ging 2022 ans Netz, Klettwitz Süd folgte mit etwa 80 MW im selben Jahr. Für einen weiteren Abschnitt im Bereich Hochkippe Sallgast ist ein Potenzial von bis zu 120 MW vorgesehen. Die projektbezogenen Angaben fassen die drei Bereiche zu einer Gesamtleistung von bis zu 300 MWp zusammen.
Die wichtigsten technischen Daten im Überblick
| Merkmal | Angabe | Einordnung |
|---|---|---|
| Technologie | Photovoltaik | Erzeugt Strom aus Sonnenlicht |
| Gesamtleistung | Bis zu 300 MWp | MWp bezeichnet die maximale Nennleistung von Solarmodulen unter Standardbedingungen |
| Fläche | Rund 429 Hektar | Entspricht etwa 600 Fußballfeldern |
| Teilabschnitte | Klettwitz Nord, Klettwitz Süd und Hochkippe Sallgast | Schrittweise Entwicklung über mehrere Flächen |
| Elektrolyse | Projektierte Kapazität von bis zu 50 MW | Ermöglicht die Umwandlung von Strom in Wasserstoff |
| Inbetriebnahme erster Anlagen | 2022 | Die Umsetzung erfolgt abschnittsweise |
Die Zahl von 300 MWp klingt zunächst abstrakt. Entscheidend ist, dass es sich um eine Spitzenleistung handelt, nicht um eine konstante Produktion rund um die Uhr. Solarmodule liefern mittags und im Sommer deutlich mehr Strom als nachts oder im Winter. Die tatsächliche Jahresproduktion hängt deshalb von Sonneneinstrahlung, Ausrichtung, technischen Verlusten und Netzverfügbarkeit ab.
Ich halte diese Unterscheidung für besonders wichtig, weil große MW-Zahlen in der öffentlichen Debatte häufig wie eine dauerhaft verfügbare Kraftwerksleistung behandelt werden. Ein Solarpark dieser Größenordnung ist sehr leistungsfähig, braucht für eine stabile Versorgung aber die Ergänzung durch Windkraft, Speicher, flexible Verbraucher oder andere regelbare Anlagen.
Warum die Kombination aus Solarenergie und Wasserstoff wichtig ist
Ein Teil des erzeugten Solarstroms soll nicht direkt ins Netz fließen, sondern für die Herstellung von grünem Wasserstoff genutzt werden. Bei der Elektrolyse wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen, kann der Wasserstoff ohne direkte CO2-Emissionen produziert werden.
Die projektbezogenen Angaben nennen eine Elektrolysekapazität von bis zu 50 MW. Der Wasserstoff soll vor allem für Industrie und Verkehr bereitgestellt werden. Denkbar sind Anwendungen bei Lastkraftwagen, Bussen, kommunalen Fahrzeugen oder in Prozessen, die sich nur schwer direkt elektrifizieren lassen.
Der große Vorteil liegt in der zeitlichen Entkopplung. Strom kann unmittelbar genutzt werden, während Wasserstoff gespeichert und später eingesetzt wird. So lässt sich ein Teil der Solarproduktion auch dann verwenden, wenn gerade keine hohe Nachfrage im Stromnetz besteht.
Wasserstoff ist allerdings kein kostenloser Energiespeicher. Bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und später in nutzbare Energie entstehen Verluste. Deshalb würde ich Wasserstoff nicht dort einsetzen, wo eine direkte Stromanwendung möglich ist. Für einen elektrischen Pkw ist eine Batterie in der Regel effizienter, während Wasserstoff bei Schwerlastverkehr, Industrie und saisonaler Speicherung seine stärkeren Argumente hat.
Welche Vorteile die Bergbaufolgelandschaft bietet
Die Nutzung ehemaliger Tagebauflächen kann Genehmigungs- und Akzeptanzfragen erleichtern, ersetzt aber keine sorgfältige Planung. In Klettwitz bestehen bereits energiewirtschaftliche Strukturen durch den Windpark und die Netzanbindung. Dadurch kann Solarstrom in eine Landschaft integriert werden, die schon seit Jahren energetisch genutzt wird.
Flächennutzung mit geringerer Konkurrenz zur Landwirtschaft
Auf einer rekultivierten Hochkippe ist die landwirtschaftliche Nutzung oft schwieriger als auf gewachsenen Böden. Der Untergrund kann trocken, nährstoffarm oder geotechnisch anspruchsvoll sein. Eine Photovoltaikanlage schafft dort eine langfristige wirtschaftliche Perspektive, ohne automatisch fruchtbare Ackerflächen zu beanspruchen.
Regionale Wertschöpfung
Ein Großprojekt dieser Art erzeugt Einnahmen durch Pacht, Gewerbesteuer, Betrieb, Wartung und lokale Dienstleistungen. Zusätzlich kann günstiger erneuerbarer Strom Unternehmen anziehen, die ihre Produktion dekarbonisieren müssen. Für die Lausitz ist das mehr als ein Imagegewinn, denn der Strukturwandel braucht dauerhafte Arbeitsplätze und neue industrielle Wertschöpfung.
Lesen Sie auch: Aufbau eines Wasserkraftwerks - Bauteile, Ablauf und Leistung
Ökologische Ausgleichsmaßnahmen
Zwischen den technischen Anlagen bleiben Flächen für Wildwechsel und naturnahe Strukturen erhalten. Geplant wurden unter anderem Pflanzungen und Steinhaufen, die Lebensräume für verschiedene Tierarten schaffen können. Ob dieser Effekt tatsächlich eintritt, hängt von Pflege, Bodenentwicklung und der konkreten Ausgestaltung ab. Ein Solarpark ist daher nicht automatisch ökologisch wertvoll, kann auf einer geeigneten Fläche aber besser abschneiden als eine intensive Nutzung.
Was häufig unterschätzt wird, ist die technische Herausforderung des Bauens auf einer Kippe. Setzungen, Böschungsstabilität, Grundwasserabstand und bestehende Leitungen müssen geprüft werden. Die Planung ist dadurch anspruchsvoller als auf einer ebenen Standardfläche, zugleich liefert der Standort wichtige Erfahrungen für weitere Energieprojekte auf Bergbaufolgeland.
Wo die Grenzen und offenen Fragen liegen
Das Projekt ist ein überzeugendes Beispiel für die Energiewende, aber kein vollständiger Ersatz für ein stabiles Energiesystem. Die wichtigste Grenze bleibt die Wetterabhängigkeit. Selbst 300 MWp Photovoltaik liefern bei Dunkelheit keinen Strom, und im Winter fällt der Ertrag deutlich geringer aus.
Hinzu kommen Fragen zur Netzinfrastruktur. Wenn viele Wind- und Solaranlagen gleichzeitig hohe Mengen erzeugen, können Leitungen und Umspannwerke an ihre Grenzen kommen. Deshalb sind Netzausbau, Speicher und flexible Abnehmer genauso wichtig wie die Module selbst.
Auch die Wasserstoffkomponente sollte realistisch bewertet werden. Die öffentlich dokumentierten Planungen sehen Elektrolyse und eine Nutzung im Verkehr vor. Aus früheren Planungsunterlagen lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass jede angekündigte Tankstelle oder jede Ausbaustufe bereits vollständig umgesetzt ist. Für eine belastbare Bewertung im Jahr 2026 muss man daher zwischen in Betrieb befindlichen Solarabschnitten und geplanten Wasserstoffanlagen unterscheiden.
Ein weiterer Punkt betrifft die Akzeptanz vor Ort. Große Freiflächenanlagen verändern das Landschaftsbild, auch wenn sie auf ehemaligen Tagebauflächen stehen. Gute Beteiligung, transparente Informationen, ökologische Pflege und ein nachvollziehbarer finanzieller Nutzen für die Kommune entscheiden mit darüber, ob aus einem technischen Projekt ein regional getragenes Zukunftsprojekt wird.
Was dieses Beispiel für die Energiewende in Deutschland zeigt
Für mich liegt die eigentliche Bedeutung des Projekts nicht allein in seiner Größe. Entscheidend ist die Kombination aus Flächenrecycling, erneuerbarer Stromerzeugung und industrieller Nutzung. Die Lausitz bleibt damit Energieregion, verändert aber die Grundlage ihrer Energieproduktion.
Das Modell lässt sich auf andere ehemalige Kraftwerks- und Tagebaustandorte übertragen. Voraussetzung sind geeignete Flächen, ein belastbarer Netzanschluss, klare Eigentumsverhältnisse und Abnehmer für den erzeugten Strom. Ohne diese Bausteine bleibt auch ein technisch beeindruckender Solarpark wirtschaftlich und systemisch begrenzt.
Die wichtigste Lehre lautet deshalb nicht, möglichst viele Module aufzustellen. Erfolgreiche Projekte planen von Anfang an mit, wer den Strom nutzt, wie Überschüsse gespeichert werden und welchen konkreten Nutzen die Region erhält. Genau an dieser Verbindung von Klimaschutz, Infrastruktur und regionaler Wirtschaft entscheidet sich, ob der Strukturwandel dauerhaft gelingt.
Warum Klettwitz als Lernort für die Energiewende wichtig bleibt
Der Energiepark in Klettwitz macht sichtbar, wie aus einer durch Braunkohle geprägten Landschaft ein Standort für Solarstrom und neue Energietechnologien werden kann. Die bereits realisierten Anlagen zeigen, dass großflächige Photovoltaik auf Bergbaufolgeland technisch möglich ist, während Wasserstoff und weitere Speicherlösungen die nächste Entwicklungsstufe bilden.
Wer das Projekt bewerten möchte, sollte deshalb nicht nur auf die installierte Leistung schauen. Aussagekräftiger sind die tatsächliche Stromproduktion, der Netzanschluss, die Nutzung vor Ort, die ökologische Entwicklung und der Umfang der regionalen Wertschöpfung. Diese Kriterien zeigen, ob aus einem großen Solarpark wirklich ein integrierter Baustein einer nachhaltigen Wirtschaftsregion wird.