Wie teuer ist Windstrom tatsächlich, bevor Netzentgelte, Steuern und Vertriebskosten auf der Stromrechnung landen? Für neue Windparks in Deutschland liegen die reinen Stromgestehungskosten meist im einstelligen Centbereich pro Kilowattstunde. Entscheidend sind dabei vor allem Standort, Auslastung, Finanzierung und die Frage, ob es sich um Windkraft an Land oder auf See handelt.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
- 4,3 bis 9,2 Cent pro kWh kosten neue Onshore-Windanlagen in Deutschland unter den Annahmen des Fraunhofer ISE.
- 5,5 bis 10,3 Cent pro kWh liegen die berechneten Kosten für Offshore-Windparks.
- Bei der jüngsten veröffentlichten Ausschreibung für Wind an Land lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 5,06 Cent pro kWh.
- Der Betrag ist nicht mit dem Haushaltsstrompreis gleichzusetzen, denn Netz, Steuern, Abgaben und Vertrieb kommen noch hinzu.
- Der wichtigste Kostentreiber bleibt der Standort. Mehr Windstunden senken die Kosten je erzeugter Kilowattstunde deutlich.
Was Windstrom pro Kilowattstunde wirklich kostet
Die kurze Antwort lautet etwa 4 bis 10 Cent pro Kilowattstunde, wenn nur die Erzeugung in einer neuen Anlage betrachtet wird. Diese Größenordnung beschreibt die sogenannten Stromgestehungskosten. Sie verteilen die Investition, Finanzierung, Wartung und den laufenden Betrieb über die gesamte erwartete Stromproduktion eines Windparks.
Für Onshore-Anlagen, also Windräder an Land, nennt das Fraunhofer ISE für Deutschland eine Spanne von 4,3 bis 9,2 Cent pro kWh. Ein sehr guter Standort mit hoher Windgeschwindigkeit liegt am unteren Ende. Schwächere Binnenlandstandorte erreichen trotz derselben Technik deutlich höhere Werte.
| Windkrafttyp | Stromgestehungskosten | Einordnung |
|---|---|---|
| Onshore, sehr guter Standort | ab etwa 4,3 Cent/kWh | Hohe Auslastung, günstige Kostenverteilung |
| Onshore, schwächerer Standort | bis etwa 9,2 Cent/kWh | Weniger Volllaststunden, höhere Kosten je kWh |
| Offshore, Windkraft auf See | etwa 5,5 bis 10,3 Cent/kWh | Hohe Erträge, aber aufwendiger Bau und Netzanschluss |
Umgerechnet bedeutet das für 1.000 kWh erzeugten Windstrom ungefähr 43 bis 92 Euro bei Onshore-Wind beziehungsweise rund 55 bis 103 Euro bei Offshore-Wind. Diese Rechnung ist nützlich, darf aber nicht mit einer Stromrechnung verwechselt werden. Sie zeigt lediglich, was die Produktion im Kraftwerk kostet.
Warum der Standort den Preis stärker beeinflusst als viele denken
Eine Windkraftanlage produziert nicht das ganze Jahr mit voller Leistung. Die wichtigste Kennzahl sind deshalb die Volllaststunden. Sie zeigen, wie viele Stunden pro Jahr eine Anlage theoretisch mit voller Nennleistung laufen müsste, um ihren tatsächlichen Jahresertrag zu erreichen.
Ein guter deutscher Onshore-Standort kann laut den Berechnungen mit ungefähr 3.200 Volllaststunden pro Jahr kalkulieren. An einem schwächeren Standort fällt der Ertrag deutlich geringer aus. Die Investition in Turm, Fundament, Rotor und Netzanschluss bleibt jedoch fast gleich, sodass jede erzeugte Kilowattstunde teurer wird.
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Onshore und Offshore im Vergleich
Windparks auf See profitieren von stärkeren und gleichmäßigeren Winden. Dadurch erreichen Offshore-Anlagen teilweise 3.200 bis 4.500 Volllaststunden. Gleichzeitig sind Fundament, Seekabel, Wartung und Netzanschluss wesentlich aufwendiger als an Land.
Genau hier liegt ein häufiger Denkfehler. Mehr Stromertrag bedeutet nicht automatisch niedrigere Gesamtkosten. Bei Offshore-Projekten muss die höhere Auslastung die deutlich höheren Investitionen ausgleichen. Ich halte deshalb pauschale Aussagen wie „Wind auf See ist immer günstiger“ für irreführend. Entscheidend ist das Verhältnis aus Ertrag, Baukosten und Finanzierung.
Welche Kosten in einer Kilowattstunde stecken
Windkraft benötigt keinen Brennstoff. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Gas- oder Kohlekraftwerken, deren laufende Kosten stark von Brennstoff- und CO₂-Preisen abhängen. Bei Windenergie entsteht der größte Kostenblock vor dem ersten Betriebstag, also während Planung, Genehmigung, Bau und Finanzierung.
- Investition: Dazu gehören Anlage, Fundament, Wege, Kranstellflächen, Umspannwerk und Netzanschluss.
- Finanzierung: Zinsen und Eigenkapitalrendite beeinflussen die Kosten über Jahrzehnte.
- Betrieb und Wartung: Inspektionen, Reparaturen, Versicherungen, Pacht und technische Betriebsführung fallen jedes Jahr an.
- Rückbau: Am Ende der Lebensdauer müssen Anlage und Fundament zumindest teilweise entfernt werden.
- Ertrag: Je mehr Kilowattstunden eine Anlage während ihrer Lebensdauer erzeugt, desto kleiner wird der Kostenanteil je kWh.
Die Lebensdauer einer modernen Windkraftanlage wird in Wirtschaftlichkeitsrechnungen häufig mit rund 25 Jahren angesetzt. Schon kleine Änderungen bei Zinssatz, Baukosten oder erwarteten Windstunden können das Ergebnis um mehrere Zehntel oder sogar ganze Cent pro Kilowattstunde verändern.
Auch die derzeit höheren Kosten für Stahl, Kabel, Turbinen und Bauleistungen wirken sich aus. Gleichzeitig werden Anlagen leistungsfähiger und erzielen an geeigneten Standorten mehr Ertrag. Der technische Fortschritt senkt die Kosten also nicht automatisch überall, sondern vor allem dort, wo die zusätzliche Leistung tatsächlich genutzt werden kann.
Was Ausschreibungspreise über den aktuellen Markt verraten
Ein guter Blick auf die aktuelle Marktlage sind die Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land. Im Mai 2026 lag der mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert laut Bundesnetzagentur bei 5,06 Cent pro kWh. Die erfolgreichen Gebote bewegten sich zwischen 4,44 und 5,19 Cent pro kWh.
Dieser Wert ist ein wichtiger Orientierungswert, aber kein identischer Ersatz für die Stromgestehungskosten. Der Zuschlagswert beschreibt den Wert, mit dem ein Projekt im Förder- und Vermarktungssystem kalkuliert. Er kann durch Standortfaktoren, Marktpreise, Vertragsmodelle und Finanzierungsbedingungen von den tatsächlichen Vollkosten abweichen.
Die sinkenden Zuschlagswerte zeigen dennoch, dass viele Projektierer Windstrom an Land wieder wettbewerbsfähig anbieten können. Seit August 2024 ist der durchschnittliche Zuschlagswert über mehrere Runden um mehr als 2 Cent pro kWh gefallen. Das spricht für starken Wettbewerb, sagt aber noch nichts darüber aus, ob jedes einzelne Projekt wirtschaftlich gleich gut dasteht.
Für 2026 liegt der zulässige Höchstwert für Gebote bei 7,25 Cent pro kWh. Die tatsächlichen Zuschläge können darunter liegen, weil sich die Unternehmen gegenseitig überbieten. Gerade bei schwächeren Standorten und hohen Finanzierungskosten bleibt der wirtschaftliche Spielraum trotzdem begrenzt.
Warum Windstrom nicht automatisch 5 Cent auf der Stromrechnung bedeutet
Auf dem Großhandelsmarkt oder in einer Ausschreibung kann Windstrom nur wenige Cent pro Kilowattstunde kosten. Haushalte zahlen jedoch einen Endpreis, der aus mehreren Bestandteilen besteht. Dazu gehören Netzentgelte, Stromsteuer, Mehrwertsteuer, Umlagen, Messkosten und der Vertrieb.
Außerdem schwankt die Erzeugung. Wenn viel Wind weht, fällt der Börsenpreis häufig niedrig aus. Bei einer Dunkelflaute muss das System dagegen auf andere Kraftwerke, Speicher, Importe oder Lastverschiebung zurückgreifen. Diese Kosten sind in den reinen Stromgestehungskosten einer einzelnen Windanlage nicht vollständig enthalten.
| Kostenbegriff | Was er beschreibt |
|---|---|
| Stromgestehungskosten | Kosten der Erzeugung über die Lebensdauer der Anlage |
| Zuschlagswert | Gebotswert eines erfolgreichen Projekts im Ausschreibungsverfahren |
| Börsenstrompreis | Preis des gehandelten Stroms zu einem bestimmten Zeitpunkt |
| Haushaltsstrompreis | Endpreis inklusive Netz, Steuern, Abgaben und Vertrieb |
Ich würde deshalb immer zuerst fragen, über welchen Preis gesprochen wird. Wer Erzeugungskosten, Börsenpreis und Endkundenpreis in eine Zahl presst, erzeugt ein falsches Bild. Für politische Entscheidungen ist zusätzlich relevant, wie viel Speicher, Netzausbau und gesicherte Leistung das gesamte Energiesystem benötigt.
Wie sich die Kosten langfristig entwickeln können
Das Fraunhofer ISE erwartet für Onshore-Windkraft bis 2045 weiterhin niedrige Stromgestehungskosten. In der Studie sinkt die angenommene Spanne langfristig auf 3,9 bis 8,3 Cent pro kWh. Der Spielraum für starke weitere Kostensenkungen ist allerdings kleiner als in der frühen Ausbauphase.
Der Grund ist einfach. Die Technik ist bereits vergleichsweise günstig, während Genehmigungen, Netzausbau, Grundstücke und Finanzierung immer stärker ins Gewicht fallen. Verbesserungen durch größere Rotoren, höhere Türme und bessere Schwachwindanlagen helfen, können aber nicht jeden Standort gleich stark aufwerten.
Bei Offshore-Windkraft werden für 2045 Werte zwischen 5,5 und 10,2 Cent pro kWh genannt. Ob diese Entwicklung eintritt, hängt besonders von Lieferketten, Stahlpreisen, Netzanschlüssen und der Finanzierung großer Projekte ab. Prognosen sind hier weniger eine Preisgarantie als eine Rechnung unter bestimmten Annahmen.
Die entscheidende Zahl ist nicht der niedrigste Centbetrag
Für eine sachliche Bewertung reicht es nicht, den niedrigsten veröffentlichten Wert herauszugreifen. Realistisch ist für neue Windkraft in Deutschland eine Erzeugungsspanne von ungefähr 4 bis 10 Cent pro kWh, wobei gute Onshore-Standorte meist besonders günstig sind und Offshore-Projekte höhere Anfangsinvestitionen verlangen.
Für mich ist der wichtigste Maßstab deshalb der vollständige Systemvergleich. Günstiger Windstrom ist ein großer Vorteil der Energiewende, aber sein Nutzen wächst erst dann vollständig, wenn Netze, Speicher, flexible Verbraucher und gesicherte Kraftwerksleistung passend zusammenspielen.