Ob im Strommix, in der Stahlproduktion oder in der Klimapolitik: Kohle begegnet uns noch immer an vielen Stellen. Ich erkläre, was Kohle geologisch ist, wie Braunkohle und Steinkohle entstehen, warum ihre Verbrennung besonders klimaschädlich ist und welche Rolle sie 2026 in Deutschland im Vergleich zu Atomenergie und erneuerbaren Energien spielt.
Die wichtigsten Fakten zur Kohle auf einen Blick
- Kohle ist ein fossiler Brennstoff, der aus abgestorbenen Pflanzen unter Druck und Wärme über Millionen Jahre entstanden ist.
- Braunkohle enthält mehr Wasser und hat einen geringeren Heizwert als Steinkohle.
- Bei der Verbrennung entstehen besonders viele CO2-Emissionen sowie Luftschadstoffe.
- In Deutschland wurde die heimische Steinkohleförderung 2019 beendet. Braunkohle wird weiterhin im Tagebau gewonnen.
- Das deutsche Kohleausstiegsgesetz sieht spätestens 2038 das Ende der Kohleverstromung vor.

Was ist Kohle und wie entsteht sie?
Kohle ist ein schwarzes bis braunes, festes Gestein mit einem hohen Anteil an Kohlenstoff. Sie gehört zu den fossilen Energieträgern, genauso wie Erdöl und Erdgas. Ihre gespeicherte chemische Energie lässt sich durch Verbrennung in Wärme, Dampf und schließlich Strom umwandeln.
Die Entstehung beginnt mit Pflanzen, die vor Millionen Jahren in sumpfigen Landschaften absterben. Unter Luftabschluss lagern sich immer neue Schichten darüber. Druck und steigende Temperaturen verändern das organische Material Schritt für Schritt. Aus Pflanzenresten wird zunächst Torf, danach Braunkohle und bei stärkerer Verdichtung schließlich Steinkohle.
Dieser Prozess heißt Inkohlung. Je länger und intensiver sie abläuft, desto höher sind normalerweise Kohlenstoffgehalt und Heizwert. Das erklärt, warum verschiedene Kohlearten nicht gleich viel Energie liefern und auch unterschiedliche Auswirkungen beim Abbau und bei der Nutzung haben.
Warum Kohle nicht gleich Kohle ist
| Kohleart | Typische Eigenschaften | Hauptnutzung |
|---|---|---|
| Braunkohle | Jung, hoher Wassergehalt, niedrigerer Heizwert | Strom- und Wärmeerzeugung |
| Steinkohle | Älter, energiereicher, höherer Kohlenstoffanteil | Stromerzeugung und Stahlindustrie |
| Anthrazit | Sehr hoher Kohlenstoffgehalt, hart und schwer entzündlich | Spezielle industrielle und thermische Anwendungen |
Der Begriff fossiler Brennstoff beschreibt dabei nicht nur das hohe Alter. Entscheidend ist, dass Kohle aus früherer Biomasse entstanden ist und bei ihrer Verbrennung Kohlenstoff freisetzt, der über geologische Zeiträume gebunden war. Für mich ist genau dieser Punkt wichtig, weil er die Klimawirkung verständlicher macht als die bloße Aussage, Kohle sei „schmutzig“.
Braunkohle und Steinkohle unterscheiden sich deutlich
In Deutschland spielt vor allem die Unterscheidung zwischen Braunkohle und Steinkohle eine Rolle. Braunkohle enthält deutlich mehr Feuchtigkeit und besitzt deshalb pro Kilogramm weniger nutzbare Energie. Sie wird meist direkt neben dem Kraftwerk im Tagebau verbrannt, weil sich der Transport über große Entfernungen wirtschaftlich kaum lohnt.
Steinkohle ist energiereicher und kann leichter über Schiffe, Züge oder andere Transportwege importiert werden. Deutsche Steinkohle wird nicht mehr gefördert, deshalb stammt die in Deutschland eingesetzte Steinkohle aus dem Ausland. In der Industrie wird sie außerdem zu Koks verarbeitet, der im Hochofen als Brennstoff und Reduktionsmittel für die Stahlherstellung dient.
Tagebau verändert ganze Landschaften
Der Braunkohleabbau im Tagebau ist technisch vergleichsweise einfach, greift aber tief in Landschaften und Wasserhaushalte ein. Große Schaufelradbagger entfernen zunächst Boden und Gestein, bevor die Kohle aus flachen Lagerstätten gewonnen wird. Dörfer können verlegt werden, landwirtschaftliche Flächen verschwinden und das Grundwasser muss häufig abgesenkt werden.
Eine spätere Rekultivierung kann neue Wälder, Seen oder landwirtschaftliche Flächen schaffen. Sie macht den ursprünglichen Zustand jedoch nicht vollständig rückgängig. Renaturierung braucht Jahrzehnte und löst nicht automatisch alle Probleme, etwa bei abgesenktem Grundwasser oder belasteten Böden.
Wie Kohle Energie liefert und wofür sie gebraucht wird
Im Kohlekraftwerk wird Kohle gemahlen und verbrannt. Die entstehende Wärme erhitzt Wasser, der Dampf treibt eine Turbine an und ein Generator erzeugt Strom. Der Wirkungsgrad moderner Anlagen ist zwar höher als bei alten Kraftwerken, doch auch ein effizientes Kraftwerk setzt bei der Verbrennung weiterhin große Mengen fossiles CO2 frei.
Kohle wird nicht nur zur Stromerzeugung eingesetzt. Zu den wichtigsten Anwendungen gehören:
- Strom und Fernwärme in Kohlekraftwerken
- Stahlproduktion mit Koks aus Steinkohle
- Herstellung bestimmter chemischer Grundstoffe
- Teilweise Nutzung in der Zement- und Baustoffindustrie
Die Bedeutung für den Stromsektor nimmt in Deutschland ab. Nach Angaben von Destatis wurden 2025 rund 74,2 Terawattstunden Strom aus Braunkohle und 29,5 Terawattstunden aus Steinkohle erzeugt. Zusammen entsprach das etwa einem Fünftel der Bruttostromerzeugung. Erneuerbare Energien kamen im selben Jahr dagegen auf rund 57 Prozent.
Diese Zahlen zeigen zweierlei. Kohle ist kein verschwundener Energieträger, aber ihr Anteil sinkt deutlich. Gleichzeitig bleibt sie als steuerbare Energiequelle politisch umstritten, weil Kraftwerke bei geringer Wind- und Solarstromproduktion kurzfristig einspringen können, dabei aber besonders hohe Emissionen verursachen.
Warum Kohle Umwelt und Gesundheit belastet
Das größte Problem ist die Klimawirkung. Bei der Verbrennung verbindet sich der Kohlenstoff der Kohle mit Sauerstoff zu Kohlendioxid. Braunkohle ist wegen ihres hohen Wasseranteils besonders emissionsintensiv pro erzeugter Kilowattstunde. Auch Steinkohle verursacht deutlich mehr CO2 als erneuerbare Energien und im direkten Betrieb meist mehr als Erdgas.
Das Umweltbundesamt meldete für den deutschen Strommix 2024 durchschnittlich 363 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Der Wert beschreibt den gesamten Strommix und nicht allein Kohlekraftwerke. Er zeigt aber, wie stark ein höherer Anteil erneuerbarer Energien die Emissionsintensität senken kann.
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Schadstoffe bleiben trotz Filtertechnik ein Thema
Moderne Anlagen filtern viele Schadstoffe besser als frühere Kraftwerke. Trotzdem entstehen bei der Kohleverbrennung unter anderem Feinstaub, Stickoxide, Schwefeldioxid und Schwermetalle. Diese Stoffe können Atemwege und Herz-Kreislauf-System belasten, besonders wenn die Belastung über längere Zeit anhält.
Hinzu kommen die Folgen des Bergbaus. Der Tagebau zerstört Lebensräume, verändert den Wasserhaushalt und verbraucht große Flächen. Bei Steinkohle können unterirdische Bergsenkungen und Grubenwasser langfristige Aufgaben für Regionen und öffentliche Haushalte schaffen.
Ich halte es deshalb für verkürzt, nur über den Preis einer Kilowattstunde zu sprechen. Eine faire Bewertung muss auch Gesundheitskosten, Umweltschäden, Flächenverbrauch und Klimafolgen berücksichtigen. Genau diese Folgekosten werden im Alltag oft nicht direkt auf der Stromrechnung sichtbar.
Kohle, Atomenergie und erneuerbare Energien im Vergleich
Kohle und Atomenergie werden häufig gemeinsam als konventionelle Energien betrachtet. Technisch und politisch sind sie jedoch sehr unterschiedlich. Kohle ist ein fossiler Brennstoff und setzt bei der Verbrennung CO2 frei. Atomkraft nutzt die Spaltung von Uran und erzeugt im laufenden Betrieb kaum direkte CO2-Emissionen, bringt aber andere Risiken mit sich.
| Energieform | Stärke | Zentrales Problem |
|---|---|---|
| Kohle | Planbare Stromerzeugung und vorhandene Kraftwerksinfrastruktur | Sehr hohe CO2-Emissionen, Luftschadstoffe und Bergbaufolgen |
| Atomenergie | Hohe, kontinuierliche Stromproduktion mit niedrigen direkten CO2-Emissionen | Radioaktiver Abfall, Unfallrisiken, hohe Bau- und Rückbaukosten |
| Wind und Solar | Keine Brennstoffverbrennung und sehr geringe Betriebsemissionen | Wetterabhängigkeit, Netzausbau und Bedarf an Speichern oder Flexibilität |
Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke im April 2023 abgeschaltet. Das bedeutet allerdings nicht, dass Atomenergie weltweit keine Rolle mehr spielt. Für die deutsche Klimapolitik ist die entscheidende Frage, wie Kohlekraftwerke ersetzt werden, ohne Versorgungssicherheit, bezahlbare Preise und den Ausbau der Netze aus dem Blick zu verlieren.
Erneuerbare Energien lösen nicht jedes Problem sofort. Wind- und Solarstrom schwanken, weshalb Speicher, flexible Kraftwerke, europäischer Stromhandel und ein leistungsfähiges Netz nötig sind. Trotzdem sehe ich in ihnen die langfristig tragfähigste Grundlage, weil sie keinen fossilen Brennstoff verbrauchen und ihre Umweltbelastung nicht durch fortlaufende Verbrennung wächst.
Welche Rolle Kohle in Deutschland noch spielt
Das Kohleausstiegsgesetz sieht vor, die Kohleverstromung in Deutschland spätestens bis 2038 zu beenden. Einige Regionen wollen früher aussteigen, sofern Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven gewährleistet sind. Bis dahin bleibt Kohle Teil des Energiesystems, auch wenn Kraftwerke schrittweise stillgelegt werden.
Für die betroffenen Regionen ist der Ausstieg mehr als eine technische Umstellung. Arbeitsplätze, kommunale Einnahmen, Infrastruktur und regionale Identität hängen teilweise an der Kohlewirtschaft. Ein erfolgreicher Strukturwandel braucht deshalb neue Arbeitsplätze, Investitionen und verlässliche Planung, nicht nur ein Abschaltdatum.
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Kohleausstieg und sofortigen Ersatz durch eine einzige Energiequelle gleichzusetzen. In der Praxis geht es um einen Mix aus Effizienz, erneuerbaren Energien, Speichern, Netzen, flexibler Nachfrage und vorübergehend steuerbaren Kraftwerken. Entscheidend ist, dass jede Übergangslösung die Emissionen tatsächlich senkt und nicht neue fossile Abhängigkeiten festschreibt.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das nicht, dass einzelne Haushalte den Energiemarkt allein lösen müssen. Wirkungsvoll sind vor allem ein geringerer Energieverbrauch, effiziente Heizsysteme, gute Gebäudedämmung und ein bewusster Umgang mit Strom. Ich würde dabei eher auf dauerhaft niedrigere Verbräuche setzen als auf symbolische Einzelmaßnahmen, die technisch wenig verändern.
Was von der Kohlefrage für die Energiewende bleibt
Kohle ist ein über Millionen Jahre entstandener fossiler Energieträger mit hoher Energiedichte, aber besonders problematischen Umwelt- und Klimafolgen. Braunkohle und Steinkohle unterscheiden sich in Alter, Wassergehalt, Heizwert und Nutzung, teilen jedoch das grundlegende Problem der fossilen Kohlenstoffemissionen.
Die deutsche Entwicklung zeigt einen klaren Trend. Der Kohleverbrauch sinkt, erneuerbare Energien wachsen und der politische Ausstieg ist festgelegt. Die schwierige Aufgabe besteht darin, diesen Wandel so zu gestalten, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und soziale Fairness zusammen gedacht werden.
Wer die Frage nach der Kohle beantworten will, sollte deshalb nicht bei der geologischen Definition stehen bleiben. Erst der Blick auf Abbau, Verbrennung, Folgekosten und Alternativen macht verständlich, warum Kohle die Industrialisierung geprägt hat, aber für eine klimaverträgliche Energieversorgung keine dauerhafte Zukunft sein kann.